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28.04.2008 
Schmiergeld-Skandal

Zwischen Profit und Moral

von Axel Höpner

Heinrich von Pierer wehrt sich, will keine Verantwortung für den Schmiergeldskandal bei Siemens übernehmen. Dabei wird die Luft immer dünner für den Mann, der lange "everybody's darling" war. Nun drohen ihm Schadensersatzforderungen.

Heinrich von Pierer droht die Schmiergeldaffäre einzuholen. Archivfoto: dpaLupe

Heinrich von Pierer droht die Schmiergeldaffäre einzuholen. Archivfoto: dpa

MÜNCHEN. Der 27. Januar 2005 soll sein großer Tag werden. Heinrich von Pierer steht in dunklem Anzug mit orange-rot gestreifter Krawatte, den Scheitel akkurat gekämmt, hinter dem Stehpult in der Münchener Olympiahalle. Wo sonst Rockstars auftreten, will "Mr. Siemens" zum letzten Mal als Vorstandsvorsitzender sprechen.

Die 12 000 Aktionäre sind guter Stimmung. Pierer verkündet einen Gewinnsprung. Die Aktionärsschützer werden ihn gleich loben und seinen direkten Wechsel auf den Chefsessel im Aufsichtsrat gutheißen.

Doch auf dem Zenit seiner Macht hat Heinrich von Pierer wohl eine Vorahnung. Seine Stimmung ist an seinem Jubeltag zeitweise ungewöhnlich düster. Das liegt nicht nur an den Problemen in der Handysparte, die er seinem Nachfolger Klaus Kleinfeld hinterlassen wird.

Nein, etwas anderes bedrückt ihn. Gegen Ende seiner Rede lässt er es heraus - damals von den meisten kaum beachtet. Da spricht Pierer kurz über die moralische Verantwortung und Corporate Governance. "Ich möchte offen bekennen, dass ich in der Beziehung mit der Bilanz, die ich am Ende meiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender ziehe, nicht 100-prozentig zufrieden bin", sagt der scheidende Chef in traurigem Ton. "Es hat Vorgänge gegeben, Gott sei Dank nur einige wenige, bei denen Mitarbeiter ganz eindeutig gegen unsere Vorschriften verstoßen haben." Man werde nicht lockerlassen, um die Probleme "mit Stumpf und Stiel auszumerzen". Von den Aktionären gibt es einen kurzen Zwischenapplaus.

Heute ist klar: Es waren nicht nur einige wenige, die in Schmiergeldzahlungen im Ausland verstrickt waren. Das Ganze hat sich zu einem 1,3-Milliarden-Euro-Skandal entwickelt, an dem viele beteiligt waren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Zwischenbericht zur Siemens-Affäre

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