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HANDELSBLATT, Mittwoch, 7. Mai 2008, 07:00 Uhr
Deutsche Post

Zu wenig Brezeln


Die erste Hauptversammlung des neuen Post-Chefs Frank Appel stand ganz im Zeichen der Sparsamkeit – auch mit Blick auf Lösungen für das defizitäre US-Geschäft und die Postbank.



 Der neue Post-Vorstandschef Frank Appel bei der Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale in Bonn. Foto: dpa
Bild vergrößern Der neue Post-Vorstandschef Frank Appel bei der Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale in Bonn. Foto: dpa

KÖLN. Harald Oelze mokiert sich über das „reichhaltige Frühstück“. Der Kleinaktionär hat sich auf der Hauptversammlung der Deutschen Post nur deswegen zu Wort gemeldet: Eine Laugenbrezel ist ihm einfach zu wenig. Er ist wohl aus früheren Zeiten ein Buffet gewohnt. In der Statistik „Hauptversammlung in Zahlen“ liest sich das so: Auf 8000 Brezeln und 8000 Brühwürste kommen 3000 Aktionäre. Oelze hätte also mit etwas Glück drei Brezeln und ebenso viele Würstchen essen können. Das wäre für seinen Magen am Vormittag dann wohl doch eine Zumutung.

Auf der ersten Hauptversammlung des neuen Post-Chefs Frank Appel ging es sparsam zu, und das in vielerlei Hinsicht. Torwandschießen mit Postbank-Bällen und Tischfußball statt Formel und Werbe-Ikone Thomas Gottschalk bestimmen das Bild rund um die Köln-Arena. Wo der Mitte Februar wegen eines privaten Steuervergehens zurückgetretene Klaus Zumwinkel einst mit Witzchen und rheinischem Frohsinn für Stimmung sorgte, geht es nun rein sachlich zu – um nicht zu sagen etwas langweilig. Der Hamburger Appel habe eher einen trockenen Humor, sagen Mitarbeiter.

Dazu passt die neue Kleiderordnung: Während Zumwinkel stets im blauen Anzug mit roter Krawatte vom Podium strahlte, beherrscht nun die Farbe Grau die Herrenkonfektion. Selbst der Schlips des neuen Vorstandschefs glänzt anthrazit. Im Gegensatz zu Zumwinkel, der seine Reden vom Blatt ablas, spricht Zahlenmensch Appel aber frei. Wert legt er offenbar auf „Planungssicherheit“. Es ist jedenfalls eines seiner Lieblingswörter.

Den Aktionären – zumindest den vielen Kleinaktionären – ist aber offenbar noch nicht so klar, was sie von dem Neuen halten sollen. Denn Applaus gibt es zunächst nur für einen, der gar nicht da ist, aber irgendwie immer präsent: Zumwinkel, den Ex-Chef und ertappten Steuersünder. Er bedauere die Umstände, die zum vorzeitigen Ausscheiden Zumwinkels geführt hätten, sagt Aufsichtratschef Jürgen Weber, privat Zumwinkels Wanderkumpel. Dieser habe in 18 Jahren einen Weltkonzern aufgebaut. Das Management könne auf einem „hervorragenden Fundament“ aufbauen, das Zumwinkel gelegt habe, sagt Appel selbst. Es ist nicht nur Höflichkeit: Appel gilt als Ziehsohn Zumwinkels, beide kommen von der Unternehmensberatung McKinsey.

Nun muss sich Appel vor den Aktionären erstmals alleine beweisen. Sie warten vor allem auf Entscheidungen über die zwei größten Baustellen des Konzerns: das defizitäre US-Geschäft mit schnellen Paketen und die Postbank, für die es zahlreiche Kaufinteressenten aus dem In- und Ausland gibt.

Appel versucht, Führungsstärke zu demonstrieren, echte Lösungen hat er aber noch nicht zu bieten. Nur so viel: Mit einem neuen US-Chef will er das amerikanische Expressgeschäft wieder in die Spur bringen. Ken Allen heißt der Neue, er wird Hans Hickler ersetzen. Der Brite hat bereits in Kanada bewiesen, dass er aus Verlusten Gewinne machen kann.

Eine neue Strategie für das US-Geschäft will Appel erst Ende Mai präsentieren. Dabei deutet einiges darauf hin, dass die Lage dramatischer ist als bisher zugegeben. Analysten gehen jedenfalls davon aus, dass die Kooperationsgespräche mit dem Konkurrenten Fedex im Sande verlaufen sind. Appel hatte bereits davon gesprochen, die Probleme alleine lösen zu wollen. Dafür spricht, dass Appel in den USA jetzt erste personelle Konsequenzen gezogen hat.
Nervös werden die Aktionäre auch beim Thema Postbank. Appel laviert: „Der Verkauf der Finanztochter ist keine beschlossene Sache“, sagt er. Nur eine leichte Röte im Gesicht verrät dabei seine Anspannung. Prompt geben die Aktienkurse von Postbank und Post nach. Für die Entscheidung über einen Verkauf spielten vor allem die Bedingungen einer Veräußerung eine Rolle, sagt Appel. Im Klartext: Die Postbank wird nicht um jeden Preis verkauft. Keinesfalls will sich Appel unter Zeitdruck setzen lassen – wie in den USA. Trotz vieler Gerüchte in der Presse sei sich die Post mit Investoren und Analysten einig, die Bank nicht in Hast und Eile zu verkaufen. Der Post-Vorstand befinde sich noch in der Sondierungsphase.

Eingebrockt hat ihm die Diskussion Vorgänger Zumwinkel. Der hatte im vergangenen Jahr angekündigt, der Konzern werde neu über die Postbank nachdenken, und hatte damit Übernahmefantasien befeuert. Appel darf nun die Suppe auslöffeln.


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