Die Aufgabenteilung, davon ist Schwan überzeugt, sei lupenrein abgegrenzt. Er werde das Tagesgeschäft leiten, der mehr als 20 Jahre ältere Herr Humer bleibt der Stratege. „Ich klebe nicht an der Macht“, fügt dieser hinzu und signalisiert dem Jüngeren: „Du bekommst deine Freiheit, wenn du sie richtig nutzt. Wenn du sie nicht nutzt, bin ich aber auch noch da.“
Dass Humer dann noch mehrmals betont, dass Roche mit der Aufhebung seines Doppelmandats die Regeln der guten Unternehmensführung beachtet, die ihm damit bisher eher herzlich einerlei waren, dürfte einen Grund haben, der sich mit einem Blick von der 17. Etage aus erschließt. Da peitscht gerade ein Regenschauer den Rhein zu kleinen Wellen. Er verhindert aber nicht, dass ein Zipfel des Novartisgeländes sichtbar wird. Feindesland. Daniel Vasellas Revier.
Vasella hat vier Tage vor Humer Zahlen vorgelegt, die keinen vom Stuhl gerissen haben. Und Vasella ist auch so ein Alleinherrscher, wie Humer es bis März noch sein wird. Wenn einer allein es schon besser machen kann als der Nebenbuhler, dann wird das Duo Humer und Schwan dem ewigen Konkurrenten endgültig die rote Laterne umhängen, könnte eine Kalkulation lauten, die im Roche-Turm aufgemacht wird. Und so hatten es die Herren des Verwaltungsrats, die sich mit der Entscheidung über Humers Nachfolge eigentlich noch einige Monate hätten Zeit lassen können, dann eilig, es dem Nachbarn und Pharma-Rivalen Daniel Vasella zu zeigen.
Das war nicht immer so. „Vasella schmaucht, Humer taucht“, hatten Basler Reporter im Jahr 2000 über die Machtverteilung am Rhein geschrieben und beim Roche-Chef „Fehler eines Neulings“ entdeckt: Ein Vitaminkartell war aufgeflogen, hatte ein ramponiertes Image und das schlechteste Ergebnis in der Firmengeschichte hinterlassen. Damals griff Vasella abends zum Hörer und teilte dem sieben Jahre älteren Humer bündig mit, dass er das 20-Prozent-Paket, das der strauchelnde Financier Martin Ebner an Roche hielt, soeben gekauft habe.
Humer hat ihm das auf seine Art vergolten, indem er zu einem langen Spurt ansetzte, Roche auf wenige Krankheitsgebiete spezialisierte und so deutlich anders als die breit aufgestellte Novartis positionierte. Der Aktienkurs, der bei Novartis seit Jahren stagniert, zog davon, und vielleicht ist es deswegen jetzt der Humer-Erbe, der die Chance zur Revanche hat: Ein Griff zum Hörer, um Vasella mitzuteilen, er habe soeben Novartis-Anteile gekauft, dürfte jedenfalls dem sonst so ruhigen Gesellen Schwan die Stimme vibrieren lassen.
