Bensel kennt aus seiner Zeit als Konzern-Personalchef den streitbaren GDL-Oberlokführer Schell aus vielen nächtelangen Sitzungen persönlich. Auch das derzeitige zentrale Tarifstreit-Thema – ein eigenständiger Tarifvertrag für die Lokführer – ist ihm nicht neu. Denn das hatte schon 2003 zur ersten Konfrontation und zu letztlich ergebnislosen Verhandlungen geführt. Und das, obwohl Bensel in Gewerkschaftskreisen als besonnener, auch kompromissbereiter Gesprächspartner gilt.
Schon damals hatte Bensel klar gesagt, was er heute als Chef des Güterverkehrs wiederholt: „Die Lokführer sind auf dem besten Weg, ihre Arbeitsplätze wegzustreiken.“ Der Ausstand führe automatisch dazu, dass die Kunden aus der Wirtschaft sich nach Transportalternativen umsehen, vom LKW bis zum Binnenschiff. Einmal verlorene Kunden wiederzugewinnen sei nun mal schwierig. Und so gelte die schlichte Formel: Weniger Güterverkehr auf der Schiene braucht weniger Lokführer.
Den Duz-Freund aus alten Dasa-Zeiten machte Mehdorn 2005 zum Chef der Sparte Transport und Logistik. Von der Transportbranche als Nicht-Fachmann eher argwöhnisch beobachtet, arbeitet er sich in das komplexe Thema um die weltweit operierende Speditionstochter Schenker und den europäischen Schienengüterverkehr schnell ein. Es gelingt ihm, mit Hilfe einer starken Konjunktur die lange Zeit kriselnde Konzern-Güterbahn Railion in die schwarzen Zahlen zu schicken.
Eher vorsichtig geht er nun die Expansion in Europa an. Über eine Mischung aus Zukäufen, Übernahmen, Partnerschaften und Beteiligungen platziert er die Bahn-Aktivitäten in Sachen Transport und Logistik in den Märkten, in denen gerade das grenzüberschreitende Geschäft immer erfolgversprechender wird.
Einer der letzten Schachzüge ist die Übernahme der britischen Güterbahn EWS – aus einfachem Grund: Die hat schon Lizenzen für den bislang abgeschotteten französischen Schienenmarkt.
Ärger mit GDL-Chef Schell – das ist für Bensel da nur ein Thema. Trotz des Streiks muss er die Integration von EWS vorantreiben. Und auch das weltweite Schenker-Geschäft läuft ohne Lokführer. Sein Kollege Rausch formuliert zwar auch Durchhalteparolen, doch der Streik bremst den Aufwärtstrend im Fernverkehr. Solange Züge ausfallen, verzichten viele Kunden auf die Bahn. Im umsatzstarken Vorweihnachtsreiseverkehr ist das für Rausch fatal.
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