Berger und die Politik – das ist ein eigenes Kapitel. Nach dem Sieg über Helmut Kohl bietet Gerhard Schröder dem Münchener den Posten des Wirtschaftsministers an. Berger lehnt ab. "Es war nicht Teil meiner Lebensplanung.“ Wie aber hat er das Kunststück geschafft, gleichzeitig mit Schröder und Edmund Stoiber ein enges Verhältnis zu haben? Ex-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff hat es so formuliert: "Figaro hier, Figaro dort – wie in Mozarts Oper ist er immer schon da.“
Einmal wird ihm die Politiknähe fast zum Verhängnis. Im Jahr 2004 wird er vor laufenden Kameras bei Sabine Christiansen von CDU -Ministerpräsident Christian Wulff abgewatscht. Von Gefälligkeitsgutachten für die abgewählte SPD -Landesregierung geht die Rede. Bis heute reagiert der Berater empfindlich. Seit diesem Tag ist er deutlich seltener in der Öffentlichkeit zu sehen. Stattdessen rückt sein Nachfolger an der Spitze der Beratung, Burkhard Schwenker, ins Rampenlicht.
Irgendwie ist Stoibers Brüsseler Beraterjob für Berger eine kleine Wiedergutmachung. Denn für das Zukunftskonzept Bayern 2020, Stoibers politisches Vermächtnis, stand ausgerechnet Bergers Erzrivale Herbert Henzler Pate, der deutsche McKinsey, der Mann mit dem anderen Netz. Bis heute weiß man auch nicht so genau, wer mehr Kontakte hat in München und der Welt und bei wem die Management-Magazine häufiger anklopfen.
Berger zählt zur letzten Generation deutscher Unternehmer, die noch vom Weltkrieg geprägt sind. Berger, er erzählt die Geschichte bis heute gerne, ist mit Tui
berühmt geworden. Kaum selbstständig, entwickelt er für das Touristikunternehmen Touropa eine neue Marketingstrategie. Touropa ist ein kleiner Auftrag, aber er wird zum Meisterstück. Berger plädiert für die große Lösung, schlägt vor, Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges zu fusionieren und daraus Tui
zu machen.
Zum ganz großen Erfolg braucht es jetzt nur noch den Ehrgeiz, die legendäre Zähigkeit. Nach außen gibt sich Berger manchmal fast schüchtern, nie hat er seinen doch erklecklichen Reichtum zur Schau getragen. Glaubt man dem "Manager Magazin“, dann ist er für 450 Mill. Euro gut und steht auf Platz 266 der reichsten Deutschen. Er sammelt moderne Kunst, seine Privatsammlung umfasst 250 Arbeiten bester Herkunft.
Das wohl berühmteste Porträt stammt aus dem Jahr 1980, es zeigt einen noch jungen Mann mit gar nicht harten Zügen in der typischen grauen Schurwoll-Uniform seiner Berater. Roland Berger tritt hier, irgendwie schüchtern, in Denkerpose auf. Gemalt hat das Bild Andy Warhol.
