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25.02.2008 

Christliche Werte werden im Seehaus vermittelt, einer Einrichtung für den freien Jugenstrafvollzug. Foto: PrismaLupe

Christliche Werte werden im Seehaus vermittelt, einer Einrichtung für den freien Jugenstrafvollzug. Foto: Prisma

Beim „Impuls für den Tag“ ging es heute um die Christen als das Salz der Erde. „Wir sind berufen, Verantwortung zu übernehmen“, deutet Tobias Merckle das Gleichnis. Von sich sagt er: „Ich möchte christliche Werte vorleben und vermitteln, damit die Jugendlichen entscheiden können, ob das etwas für sie ist.“ Das Thema Verantwortung wurde ihm und seinen drei Geschwistern von Vater Adolf und Mutter Ruth mitgegeben. Seine beiden älteren Brüder Ludwig und Daniel Philipp haben Verantwortung in der Merckle-Unternehmensgruppe übernommen, die zu den größten deutschen Familienunternehmen zählt. Zu ihr gehören unter anderem das Pharmaunternehmen Ratiopharm sowie der Arzneimittelgroßhändler Phoenix und sie ist etwa an Heidelberg Cement oder am Pistenbully-Hersteller Kässbohrer beteiligt. Tobias Merckle hat einen anderen, seinen eigenen Weg gewählt.


Bildergalerie Bildergalerie: Die größten deutschen Familienunternehmen


Nach dem Abitur leistet er ein soziales Jahr im US-Strafvollzug und kommt zu dem Schluss: „Was das für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet, das kann’s nicht sein. Das muss man verändern.“ Ihm ist bewusst, dass „man“ nicht irgendjemand ist, im Zweifelsfall keiner. Er hat seine Berufung entdeckt. Merckle entschließt sich Sozialpädagogik zu studieren. Wie das bei den Eltern ankommt? „Ihr Wunsch war ein anderer, aber es wurde akzeptiert und voll unterstützt.“ Wenn es um seine Familie und um ihn geht, fallen seine Antworten kurz aus. Viel lieber spricht er über das, worauf er sich 13 Jahre lang vorbereitet hat und was im November 2003 Wirklichkeit geworden ist: das Seehaus.

Während des Studiums arbeitet er immer wieder in Gefängnissen, in einer Einrichtung für Drogenabhängige und sieht sich international Projekte an, eines davon in Brasilien. Das Gefängnis war wegen Brutalität geschlossen worden, „und das will dort etwas heißen“. Ehrenamtliche haben es übernommen und zu einem Zentrum entwickelt, in dem auch freie Formen des Strafvollzugs ihren Platz haben. „Ein freundlicher Mann öffnet mir und führt mich herum.“ Er hat einen Schlüssel für die Außentür und Merckle staunt nicht schlecht, als er später erfährt, dass sein Gegenüber zu 132 Jahren Haft verurteilt ist. Der Sozialpädagoge hat ein Modell für das Seehaus gefunden. Weil er aus seinem Elternhaus viel Unternehmertum mitbringt, weiß er, wie wichtig gute Strukturen sind.

„Je größer und geschlossener eine Anstalt, desto stärker ist die negative Subkultur“, hat Merckle beobachtet. Im Seehaus will er das durch eine positive Gruppenkultur ersetzen. Jugendliche haben Kontakt mit Gleichaltrigen und übernehmen nicht nur für sich Verantwortung, sondern auch füreinander. Sie leben in einer Ersatzfamilie. Die einen Hauseltern haben zwei kleine Kinder, in der anderen WG wird im April Nachwuchs erwartet. Die Straffälligen können im Seehaus das erste Lehrjahr für Bauberufe absolvieren. An zwei Tagen pro Woche werden sie unterrichtet und können ihren Hauptschulabschluss nachholen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Wir versuchen den Alltag darzustellen.“

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