Neben dem Crunchie steht eingerahmt jenes „Business Week“-Titelblatt, das Rose auch viel Kritik einbrachte: 60 Millionen Dollar hatte er bestenfalls auf dem Papier gemacht – so hoch wurde sein Anteil an Digg damals geschätzt. Und die „neue ,New York Times’“, wie die „Business Week“ glaubte, war die Firma bestenfalls aus Sicht sensationsheischender Journalisten. So mancher ahnte schon die nächste Internetblase herannahen. Für Rose kein Problem: „Dieser Artikel hat unsere Bekanntheit schlagartig gesteigert – weltweit.“
Heute zählt Digg 25 Millionen Besucher und 230 Millionen Seitenabrufe monatlich. „Wir sind ein großer, gemeinschaftlich arbeitender Filter für Informationen und Nachrichten“, sagt Rose. Der Branchendienst Webware meint: „Digg ist bekannt für seine sehr eng verflochtene Community.“ Das sei zwar einerseits ein Erfolg – aber es sei für Außenseiter schwer, dort Fuß zu fassen.
Die guten Klickzahlen erzeugen Nachahmer. In Deutschland heißen sie Yigg und Mister Wong und Webnews (das ebenso wie das Handelsblatt Teil der Verlagsgruppe Holtzbrinck ist). Rose verzieht ob dieser Namen ratlos die Mundwinkel: „Mister Wong habe ich schon mal gehört. Aber, nein, ich habe mir diese Seite noch nicht angeschaut.“
Er sieht Digg auch so auf der stärkeren Seite: „Wir haben den Vorteil einer sehr guten technischen Basis und eines exzellenten Teams.“ Deshalb plant er, mit einer deutschsprachigen Seite die Kopierer der Idee in den nächsten 12 bis 24 Monaten anzugreifen: „Die Planungen sind da, einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.“
Nicht jeder aber mag Digg. David Weinberger, Autor und Web-Vordenker, mangelt es an Qualität der vorgeschlagenen Nachrichten: „Digg ist eine Art Boulevardzeitung für Techies. Dafür gibt es offensichtlich einen Bedarf. Aber es wäre traurig, wenn dies die einzige Informationsquelle wäre.“
Rose kontert: „Welche Nachrichten oben landen, hängt vom Tag ab. Vor dem Super Tuesday, dem großen Vorwahltag, waren sieben der zehn Geschichten mit den meisten Stimmen politische Artikel.“
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