Einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte absolvierte er im Februar, als die Pläne für die Yahoo-Übernahme durch Microsoft bekanntwurden. Nach Tagen des Schweigens war es Drummond, der im Namen von Google erklärte: Es wäre „eine Gefahr für das gesamte Internet“, wenn Microsoft seine unlauteren Praktiken vom PC auf das Web ausbreiten könnte. Das saß. Und Drummond tauchte wieder ab.
Dabei muss er sich nicht verstecken im Silicon Valley. Wo man ihn kennt, ist er anerkannt – für sein fachliches und auch sein soziales Engagement. „David hat einen hervorragenden Ruf hier“, sagt John Riccitiello, Chef des Videospielekonzerns Electronic Arts, „sein Wort hat Gewicht.“ Google-Mitarbeiter in Mountain View beschreiben Drummond als „ausgesprochen smart und einen blitzschnellen Denker“.
Der Mann gehört zur neuen Kaste von Anwälten, die das High-Tech-Amerika regieren. Welchen halbwegs bedeutenden strategischen Schachzug Riesen wie Google, Microsoft, Oracle, Cisco oder eBay machen – nichts passiert ohne die Chefjuristen. Viele dieser Elite-Juristen, darunter auch Drummond, kommen von der Stanford-Universität in Palo Alto. Larry Kramer, Dekan der Stanford Law School, erinnert sich gut an Drummond: „Wir sind hier sehr stolz auf ihn“, sagt er auf Anfrage, „er ist ohne Zweifel einer unserer Besten.“
Der Jurist kennt Google noch aus der Gründungsphase. 1998 half er als junger Anwalt bei der Großkanzlei Wilson Sonsini Goodrich & Rosati den Studenten Larry Page und Sergey Brin beim Aufbau des Unternehmens. 2002 wechselte er zu Google. „Leider“, wie Kanzlei-Chairman Larry Sonsini sagt. Mit seinem „gesunden Urteilsvermögen“ hätte dem „herausragenden“ Anwalt der Weg zum Partner offengestanden.
Nur einmal hat ihn sein Urteilsvermögen offenbar im Stich gelassen – beim Börsengang Googles, als dessen Vater Drummond gilt. Durch den unorthodoxen Aktienverkauf an den Wall-Street-Banken vorbei hatte Google sich mächtige Feinde gemacht. Drummond hatte alle Hände voll zu tun, das Sperrfeuer der Banker abzuwehren. Und dann holte ihn auch noch seine Vergangenheit ein.
Als Finanzvorstand der Softwarefirma Smartforce soll er geholfen haben Umsätze falsch zu verbuchen. Der Skandal eskalierte, die US-Börsenaufsicht SEC leitete Ermittlungen ein. Brin und Page hatten zuvor laut getönt, eine ethisch einwandfreie Firma führen zu wollen. Würden sie Drummond nun opfern?
Die Lösung war salomonisch. Der Google-CEO Schmidt, nicht die Gründer, sprach dem Juristen sein Vertrauen aus. Drummond zahlte zudem – ohne Schuldanerkenntnis – fast 700 000 Dollar an die Börsenaufsicht. Sein Anwalt: „Rückblickend räumt mein Mandant ein, er hätte sein Amt besser ausüben können, wenn er eine kaufmännische Ausbildung gehabt hätte.“
Die hat er nicht, dafür aber eine Promotion in Rechtswissenschaft. Und demnächst wird er wohl wieder ganz tief in juristische Feinheiten einsteigen müssen, falls es eine Senatsanhörung zu der Frage geben sollte: Warum ist eine Allianz aus Google und Yahoo für den Wettbewerb förderlich? Bislang sind Kartellexperten noch nicht davon überzeugt.
