Seit Juli 2006 steht der Manager an der Spitze von BMW. Zunächst durfte er noch üppige Gewinne und steigende Absatzzahlen verkünden. Im letzten halben Jahr weht dem promovierten Maschinenbauer aber ein eisiger Wind ins Gesicht. Denn die Bayern verdienen pro Auto deutlich weniger als die beiden großen deutschen Wettbewerber. Deshalb greift Reithofer jetzt durch: 8 100 Stellen fallen weg, auch die Einkaufskosten sollen stark sinken. Gleichzeitig wird das Werk in den USA ausgebaut, um dem Dollar-Verfall zu begegnen.
Doch ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit sieht anders aus. Pünktlich zur Hauptversammlung verkündet BMW, dass die 73 000 Mitarbeiter des Konzerns in Deutschland im Schnitt je 5 600 Euro Prämie für das vergangene Jahr bekommen – deutlich mehr, als die einheimische Konkurrenz ausschüttet.
Vielleicht ist der Druck einfach nicht groß genug oder Reithofer schlicht der falsche Mann, um BMW komplett auf den Kopf zu stellen. Seit über 20 Jahren arbeitet der in Penzberg südlich von München geborene Mann für den Konzern, stieg 1987 direkt nach dem Studium ein. Aufsichtsratschef Joachim Milberg, sein Vorvorgänger an der Vorstandsspitze, hat ihn einst ins Unternehmen geholt und über Jahre hinweg nach Kräften gefördert. Reithofer kennt den Konzern heute wie seine Westentasche.
Zwar moniert auch Fondsmanager Albrecht „Fehler der Vergangenheit“ wie das missglückte Design der 5er- und 7er-Reihe sowie eine „Technikverliebtheit bis ins letzte überflüssige Detail“. Gleichzeitig bekennt sich der Aktienexperte aber auch zu Reithofers langfristig ausgelegter Neuausrichtung. Und DSW-Vertreterin Bergdolt fordert sanft, die neuen Renditeziele doch etwas vor dem angepeilten Ziel 2012 zu erreichen.
Sicher, da gibt es auch die Aktionäre, die den Aktienkurs für viel zu niedrig halten und gerne eine höhere Dividende hätten. Doch Reithofer pariert die Kritik sachlich und souverän. Mögen Audi und Mercedes momentan auch mehr verdienen, das Signal der Hauptversammlung ist eindeutig: die BMW-Aktionäre geben ihrem Vorstandschef Zeit, die Wettbewerber einzuholen.
