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26.06.2007 
Thomas Winkelmann

Ein frecher Vogel

von Tanja Kewes

Thomas Winkelmann greift mit Germanwings andere Billigflieger an – und testet damit gleichzeitig für den Mutterkonzern Lufthansa neue Konzepte.

Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann testet für den Mutterkonzern neue Konzepte. Lupe

Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann testet für den Mutterkonzern neue Konzepte.

KÖLN. Eigentlich trägt er keine Krawatten. Für sein erstes Interview aber hat sich Thomas Winkelmann eine umgebunden – und die sitzt schief. Der Chef der Fluggesellschaft Germanwings merkt es und dreht an ihr wie an einem Strick, der sich um seinen Hals zuzuziehen droht. „Lachen Sie nicht“, sagt er, „Sie können doch auch keine binden!“

Thomas Winkelmann ist anders als andere Manager bei der Deutschen Lufthansa, der Germanwings gehört – und es ist auch seine Aufgabe, anders zu sein. „Ich bin der Freak“, sagt der 48-Jährige über sich selbst. Der studierte Linguist und Historiker startete seine Karriere nicht – wie typisch für die Branche – in der Luftfahrt, sondern bei der Deutschen Reisebüro GmbH und bei der Kaufhof AG.

Für die Billigtochter der Lufthansa ist er seit September verantwortlich. Er soll mit ihr die Konkurrenz Ryanair, Easyjet und die deutsche Nummer zwei, Air Berlin, in Schach halten und als „ein Think-Tank im Konzern“, so Winkelmann, auch neue Ideen liefern.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 ist die Billigtochter auf Expansionskurs. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 39 Prozent auf 560 Millionen Euro. Für dieses Jahr strebt Germanwings ein Umsatzplus auf „über“ 600 Millionen Euro an. Die Zahl der Passagiere soll von 7,1 auf über acht Millionen steigen. Die Airbusflotte soll bis 2009 von 27 Maschinen auf 35 ausgedehnt werden. Und seit Freitag greift Germanwings auch von Dortmund, ihrer fünften Basis, ihre Konkurrenten an.

Trotz der Erfolgsbilanz fragen sich Branchenbeobachter: Was will Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber mit der Billigtochter?

Sie bietet zwar Ryanair und Co. Paroli, doch beißt sich das günstige Angebot von Germanwings auf Rennstrecken wie Köln/Bonn-München und Hamburg-München mit den 99-Euro-Angeboten der Lufthansa. Außerdem fliegt Germanwings zwar profitabel, doch nur mit einer Gewinnmarge von einem Prozent. Im Kampf um die Kostenführerschaft in Europa ist sie für Lufthansa wie ein Fahrwerk, das sich nach dem Start nicht einfahren lässt.

Doch Germanwings-Chef Winkelmann hat einen Trumpf: Das Unternehmen ist eine Art Entwicklungslabor für neue Vertriebs- und Vermarktungsstrategien und schlankere Abläufe. Was sich bei Germanwings bewährt, das findet sich später bei der Mutter Lufthansa wieder. So heißt das Pendant der 19-Euro-Eckpreis-Kampagne bei Lufthansa „99 Euro Better Fly“. Und alle neuen Werkzeuge auf der Homepage der Lufthansa hat zuerst Germanwings getestet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Acht Jahre in New York und Miami haben ihre Spuren hinterlassen

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