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29.11.2007 
Christoph Franz und Swiss

Frankfurt, Zürich – und zurück?

von Tanja Kewes

Christoph Franz hat die Fluggesellschaft Swiss saniert – und empfiehlt sich damit für einen Vorstandsposten bei der Lufthansa. Als erfahrener Sanierer und Integrierer wäre Franz vor allem bei möglichen Übernahmen gefragt.

Lupe

NEU-DELHI. Welcome to India! Christoph Franz ist nach acht Stunden Flug kaum als Erster aus dem Flugzeug raus, da hat er schon einen roten Punkt auf der Stirn und eine Blumenkette um den Hals. Die Begrüßungszeremonie ist herzlich und kurz, ganz nach dem Geschmack des 47-Jährigen. Mit dem Erstflug Zürich - Neu-Delhi meldet sich der Vorstandschef der Schweizer Fluggesellschaft Swiss auf der internationalen Piste der Linienfluggesellschaften zurück.

Wie eine Boje schwimmt der 1,90-Mann mit der bunten Blumenkette über dem grauen Anzug durch die Menschenschwärme im Flughafen Neu-Delhi – und hinaus in das Meer der wartenden gelb-schwarzen Tata-Taxis. Noch ein Bonmot mit dem lokalen Swiss -Manager, und die Taxitür schlägt zu. Laut hupend, bahnt sich der Fahrer seinen Weg ins erste Haus der indischen Hauptstadt, das Hotel Taj Mahal.

Christoph Franz hat es geschafft. Die Restrukturierung und Integration des chronisch kranken Schweizer Patienten in die größte deutsche Fluggesellschaft, Deutsche Lufthansa, ist ihm in Rekordzeit gelungen. Im vergangenen Jahr machte die Swiss erstmals Gewinn und von Januar bis September dieses Jahres hat sich das Betriebsergebnis bei einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Eine Erfolgsbilanz, die es erlaubt, einst eingestellte Langstrecken wie nach Neu-Delhi wieder aufzunehmen. Die Fluglinie mit dem weißen Kreuz im roten Quadrat gilt damit als Blaupause für weitere Übernahmen der Lufthansa, wie etwa die der zum Verkauf stehenden Alitalia. Und der Sanierer Franz empfiehlt sich für höhere Aufgaben. "Er ist der Kronprinz Nummer eins für die Nachfolge von Lufthansa -Chef Wolfgang Mayrhuber“, heißt es in Konzernkreisen.

Und wie hat er die Swiss flügge gemacht? Die Frage beantwortet Franz noch auf 11 000 Meter Flughöhe. Für das Interview hat er seinen Business-Class-Sitz 7B verlassen und in das Abteil zwischen Kabine und Cockpit gebeten. "Die gute Konjunktur und die Synergien mit Lufthansa haben uns Schub gegeben, und natürlich eigene Anstrengungen“, sagt er und fügt nach kurzem Zögern selbstbewusst hinzu: "Wir haben in den vergangenen Jahren mit den größten Schritt unter den Linienfluggesellschaften in Europa nach vorne gemacht.“ Franz weiß, was er und sein Vorstandsteam geleistet haben. Überheblich ist er deshalb nicht.

Wie der rote Punkt auf seiner Stirn nach der Landung ist das rote Quadrat der Swiss das i-Tüpfelchen auf seiner Karriere. Sein Werdegang war bis zu seinem Amtsantritt im Jahr 2004 in Zürich gekennzeichnet von Turbulenzen und Warteschleifen. Nach dem Wirtschaftsingenieur-Studium startet Franz 1990 als Trainee bei Lufthansa. Ein guter Jahrgang. Mit ihm legen noch Stephan Gemkow, heute Finanzvorstand der Lufthansa, in Frankfurt los sowie Roland Busch, heute Finanz- und Personalvorstand von Lufthansa Cargo. Anders als Gemkow und Busch macht Franz bei Lufthansa keine Kaminkarriere. Nach vier Jahren geht der Hesse zur Deutschen Bahn. Als Vorstand Personenverkehr entwickelt er ein neues Tarifsystem. Das floppt und sorgt 2003 wochenlang für Schlagzeilen. Bahn -Chef Hartmut Mehdorn feuert ihn. Das Bauernopfer wechselt nach Zürich zur Swiss.

"Franz hat bei der Bahn sein Waterloo erlebt, und diese Erfahrung hält ihn auch bei großen Erfolgen wie jetzt mit der Swiss auf dem Teppich“, sagt ein Kollege, der ihn seit Bahn -Tagen kennt. Franz wirkt auch noch mit grauen Haaren und goldenem Brillengestell von Cartier ungezwungen. Aber er will immer ganz genau Bescheid wissen. "Franz lässt sich nicht einfach von einer Powerpointpräsentation blenden“, sagt ein Branchenkenner. Er frage so lange nach, bis er einen Zusammenhang verstanden oder widerlegt habe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Eidgenossen hielten den Ex-Lufthanseaten und Ex-Bahner für ein trojanisches Pferd

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