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15.02.2008 
Ex-Daimler-Chef bleibt sich treu

„Meine Vision ist gescheitert worden“

von Mark C. Schneider und Martin-W. Buchenau

Still ist es geworden um den einstigen Vorzeigevisionär Edzard Reuter. Publikumswirksam wurde er noch Jahre nach seinem erzwungenen Abtritt vom Daimler-Thron als gescheiterter Stratege vorgeführt. Dabei hat er die Welt von Absatzplan und Aktienkurs längst eingetauscht.

Der ehemalige Daimlcher-Chef Edzard Reuter bleibt sich auch im Ruhestand treu. Foto: dpaLupe

Der ehemalige Daimlcher-Chef Edzard Reuter bleibt sich auch im Ruhestand treu. Foto: dpa

STUTTGART/DÜSSELDORF. Nun bevorzugt der ehemalige Chef von Daimler Salons der Kultur in seiner Heimatstadt Berlin. Außerdem setzt er sich für ein friedliches Zusammenleben von Deutschen und Zuwanderern ein. Seinen 80. Geburtstag am Samstag feiert der Rastlose schlicht. „Ich lebe gern jetzt und denke nicht zu sehr an die Vergangenheit“, sagt Reuter dem Handelsblatt. „Das Hätte, Würde und Wäre liegt mir nicht.“ Sein Ex-Arbeitgeber hält sich ebenfalls zurück. Der Daimler-Chef der Jahre 1987 bis 1995 ist dem Konzern nur 18 Zeilen wert. Immerhin: Zum 75. gab es nicht ein Wort.

Konzernchef Dieter Zetsche versucht, Normalität in das Verhältnis zu bringen. Unter Vorgänger Jürgen Schrempp war dessen langjähriger Förderer Persona non grata. Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. „Am Ende unserer Idee des integrierten Technologiekonzerns stand ein Scheitern“, sagt Reuter und fügt hinzu: „Es ist gescheitert worden.“

Den Namen Schrempp vermeidet er ebenso wie den des ehemaligen Daimler-Chefkontrolleurs Hilmar Kopper: „Mein Nachfolger und der damalige Vorsitzende des Aufsichtsrates haben die Umsetzung mutwillig abgebrochen – obwohl allen klar war, dass die Strategie vieler Geduld bedurft hätte.“

Eigene Fehler lässt der morgen 80-Jährige nur im Bereich der Kommunikation gelten. „Ich dachte, die Idee ist richtig und wird deshalb auch umgesetzt. Aber ich musste sehen, welch ein Irrtum das ist. Die Mitarbeiter haben das Thema intellektuell begriffen, aber nicht emotional angenommen.“ Mit der Autobiografie „Schein und Wirklichkeit“ schrieb Edzard Reuter nach dem Abgang seine gescheiterte Vision schön. Was für die meisten Rezensenten eher peinlich war, empfand Nachfolger Schrempp als pure Provokation.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Schrempps Vision auf dem Müllhaufen der Geschichte landete

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