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03.01.2007 
Fondiaria-Sai-Chefin Jonella Ligresti

Die Revolutionärin

von Katharina Kort

Jonella Ligresti vermeidet die Öffentlichkeit und kommt eher bescheiden daher. Dabei weiß die zierliche 39-jährige Frau mit den braunen langen Haaren genau, wo es lang geht. Und das sollte sie auch, denn sie ist Präsidentin des viertgrößten italienischen Versicherers Fondiaria-Sai, der mit einer Beteiligung von mehr als einem Drittel der Ligresti-Familie gehört.

Finanzfrau mit revolutionärem Geist: Fondiaria-Sai-Chefin Jonella Ligresti. Foto: PRLupe

Finanzfrau mit revolutionärem Geist: Fondiaria-Sai-Chefin Jonella Ligresti. Foto: PR

MAILAND. Die ehemalige Wettkampf-Springreiterin ist eher stürmisch zu ihrem Job gekommen: Ihr Vater Salvatore Ligresti, der sein Vermögen in den 70er-Jahren als Bauunternehmer anhäufte, war Mitte der 90er-Jahre in einen der größten Schmiergeldskandale Italiens verwickelt. Er wurde für schuldig befunden, den Staatskonzern Eni bestochen zu haben, um dessen Mitarbeiter mit den eigenen Versicherungspolicen zu versorgen. 1996 verkaufte er daher seine Anteile an der Premafin-Holding, über die er den Versicherer Sai kontrollierte, an seine drei Kinder. Seine erstgeborene Tochter Jonella Ligresti steigt zur stellvertretenden Chairwoman der Premafin auf.

2001 folgt der Aufstieg zur Präsidentin – oder auch Chairwoman – von Sai. Damit war die Sizilianerin die erste Frau in der italienischen Finanzgeschichte, die eine führende Position im Versicherungswesen übernahm. Zwei Jahre später zog sie zudem in den Verwaltungsrat der mächtigen Mailänder Investmentbank Mediobanca ein. Für das Traditionshaus, in dessen Hinterzimmern über Jahre die Geschicke der italienischen Wirtschaft bestimmt wurden, glich das einer kleinen Revolution.

Aber einen leicht revolutionären Geist hat die Finanzfrau wohl schon immer gehabt, wie die kleine tätowierte Schwalbe zwischen Zeigefinger und Daumen ahnen lässt. „Auch ich habe als sehr junger Mensch Träume gehabt. Aber dann wächst man“, hat sie vor einigen Jahren in einem ihrer seltenen Interviews mit dem Corriere della Sera gesagt, als sie auf das Tattoo angesprochen wurde. Bereuen würde sie ihren Job jedoch nach eigenen Aussagen auf keinen Fall. Nebenher hat sie noch zwei Kinder auf die Welt gebracht, das erste mit 25 Jahren. Und auch ihrem Hobby, dem Reiten, geht sie heute so oft wie möglich nach.

Ihr Studium an der renommierten Mailänder Wirtschaftsuniversität hat sie nie beendet. Stattdessen arbeitete sie schon früh in verschiedenen Positionen im Versicherer der Familie: als Buchhalterin, als Sekretärin und auch als Brokerin. Als ihr Mentor gilt Fausto Marchionni, der seit mehr als drei Jahren Vorstandsvorsitzender des Versicherers ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Jonella Ligrestis Geschichte ist eine Erfolgsstory, die in Italien nur selten anzutreffen ist.

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