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10.01.2007 
Dominique Senequier

Die kauflustige Pionierin

von Holger Alich

Die Chefin der Beteiligungsgesellschaft Axa Private Equity, Dominique Senequier, passt so gar nicht in das traditionelle französische Ambiente. Zum einen zählt sie zu den wenigen Frauen, die eine Spitzenposition in der Wirtschaft erreicht haben. Zum anderen missachtet sie mit ihrer offenen und direkten Art die französische Business-Etikette. Doch ihr Stil ist ihrem Erfolg eher zuträglich.

Dominique Senequier, Chefin von AXA Private Equity. Lupe

Dominique Senequier, Chefin von AXA Private Equity.

PARIS. Ihr Büro strahlt den Charme Frankreichs der vergangenen Jahrhunderte aus: fünf Meter hohe Decken, an denen goldlackierter Stuck glänzt. Die Fenster laden zu einem Blick auf den Place Vendôme ein, eines der architektonischen Schmuckstücke von Paris. Dominique Senequier, Chefin der Beteiligungsgesellschaft Axa Private Equity (Axa PE), hat diebischen Spaß daran, den Besucher durch ihre Prunkimmobilie zu führen. Denn sie hat die Büros zu einem Schnäppchenpreis im Jahr 2000 („heute 35 Prozent unter Marktwert“) angemietet. Dabei musste damals alles ganz schnell gehen: „Wir wurden von unserer Muttergesellschaft Axa Investment Managers vor die Tür gesetzt, da wir zu stark wuchsen“, erzählt sie und lacht.

Die Chefin der Beteiligungstochter des Versicherungsriesen Axa passt so gar nicht in das traditionelle Ambiente: Zum einen zählt sie zu den wenigen Frauen, die in Frankreich eine Spitzenposition in der Wirtschaft erreicht haben. Zum anderen missachtet sie mit ihrer offenen und direkten Art ganz bewusst Frankreichs Business-Etikette, bei denen die Wahrheit zwischen den Zeilen gelesen werden muss. „Ich mag direkte Gespräche“, bekennt sie, „daher verstehe ich mich mit Amerikanern und Deutschen so gut.“

Da 80 Prozent ihrer Kunden aus dem Ausland stammen, ist ihre Art ihrem Erfolg eher förderlich. Quasi aus dem Nichts hat Senequier vor rund zehn Jahren für die Axa das Geschäft mit außerbörslichen Beteiligungen aufgebaut. Heute zählt Axa PE mit rund zehn Milliarden Euro verwaltetem Vermögen zu den großen Adressen Europas. Axa PE spielt dabei auf der gesamten Klaviatur des Beteiligungsgeschäfts: Dachfonds, Risikokapital und direkte Unternehmensübernahmen. Den Löwenanteil macht das Dachfondsgeschäft aus.

Pioniere haben es in der Regel nicht leicht, schon gar nicht wenn sie als Frau in Frankreich antreten. Das hat die begeisterte Musikliebhaberin gleich zu Beginn ihrer Laufbahn gemerkt. Denn sie zählte 1972 zu den ersten Frauen, die an der angesehen Elite-Schmiede Polytechnique aufgenommen wurden. Ihre männlichen Mitschüler waren alles andere als begeistert: „’Du nimmst uns nur die Plätze weg’, haben sie gesagt“, erzählt Senequier.

Nach dem Abschluss startete sie ihre Laufbahn im öffentlichen Dienst: Als Aktuarin der Versicherungsaufsicht prüfte sie Bilanzen der Assekuranz. Den Beamtenmief empfand sie zwar als furchtbar, dennoch wertet sie ihre erste Berufserfahrung als wertvoll: „Wer Versicherungsbilanzen versteht, hat keine Probleme damit, Bilanzen anderer Gesellschaften zu analysieren.“

1981 heuerte sie beim damals staatlichen Versicherer GAN an und kümmerte sich dort um die Akquisitionspolitik. Nur drei Jahre später schlug sie in Großbritannien zu und fädelte die Übernahme der Minster Insurance Company ein. Der Deal hatte ein Volumen von 500 Millionen Franc (rund 76 Mill. Euro), was damals eine ungeheuerliche Summe darstellte. Da war sie gerade 31 Jahre alt.

Senequier hatte ihre Berufung gefunden. Das bemerkte auch ihr damaliger Chef schnell: Der damalige Finanzvorstand der GAN, Claude Girand, hatte 1987 die Idee, für den Versicherer ein Portfolio mit außerbörslichen Beteiligungen aufzubauen. Mit den Worten „Sie mögen doch Akquisitionen“, trug er ihr den Posten an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für Senequier sind Hedge-Fonds „intellektuell uninteressant“

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