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26.03.2008 
Ratan Tata

Lust auf mehr Luxus

von Oliver Müller

Ratan Tata ist der lebende Beweis dafür, dass ein Manager im Rentenalter nicht zum alten Eisen gehört. Der 70-jährige Industrie-König sprüht vor Energie, setzt radikale Ideen um, zeigt Mut zum Risiko: Mit der Übernahme der Automarken Jaguar und Land Rover sammelt der grau melierte Gentleman zum dritten Mal in rascher Folge eine britische Weltmarke ein und fordert zugleich westliche Autokonzerne heraus. Der Deal stellt Tata allerdings vor größte Herausforderungen. Analysten und Aktionäre sind skeptisch.

Ratan Tata geht auf Weltmarken-Einkaufstour. Foto: ap Lupe

Ratan Tata geht auf Weltmarken-Einkaufstour. Foto: ap

DELHI. Selbst ohne zwei neue Luxusmarken im Portfolio war der Grandseigneur des indischen Unternehmeradels Anfang März Stargast des Genfer Autosalons. Denn Tata liefert der Branche Stoff zum Träumen. Anfang Januar stand er zuletzt im Blitzlichtgewitter der Weltmedien. Auf der Auto Expo in Delhi kostet der Chef des umsatzstärksten indischen Konglomerats seinen größten Triumph aus: „Jetzt zeige ich Ihnen den neuen Volkswagen, auf den Sie alle warten“, sagte Tata. Seine Stimme zitterte; Nervosität verschiebt sie stets eine Tonlage nach oben. Egal: Der Junggeselle rang seine Medienscheu nieder und fuhr sein „Baby“ – er hat den Nano selbst erdacht – persönlich aus den Kulissen. Tata weiß, dass dieser Moment in die Geschichte des Konzerns eingehen wird – als Meilenstein oder Megaflop.


Bildergalerie Bildergalerie: Tata sorgt für Wirbel – das Konglomerat in Bildern


Exakt 100 Jahre nachdem Henry Ford das Auto mit seinem Model T zur Massenware machte, rollt in Indien ein Gefährt auf die Bühne, das mit 2 500 Dollar nur halb so viel kostet wie das bislang billigste Auto der Welt. Es soll die einkommensschwachen Massen in den Entwicklungsländern motorisieren. Umweltschützer sind entsetzt. Fans bejubeln Tata für die Mobilitätsrevolution „made in India“. Der Manager selbst preist den Nano als Signal, sein Konzern sei nun bereit „zu führen und zu erobern“.

Doch dann piesacken britische Journalisten den Chef von Tata Motors mit Fragen nach der Übernahme von Jaguar – und werden als Spielverderber abgewimmelt. „Wir wollen kein Global Player im Autogeschäft werden“, ist das Einzige, was sich Tata entlocken lässt. Gegenüber dem Handelsblatt hatte er sich schon vor einiger Zeit über den Irrglauben mokiert, „Welt AGs“ seien im Autogeschäft vorteilhaft. Die Zukunft gehöre fokussierten Nischenanbietern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Misstrauische Anleger

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