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07.11.2006 
Bill Gates

Der Software-König auf Abschiedstour

von Jens Koenen

Die Augen hinter der Brille wandern unruhig hin und her. Auf eine undefinierbare Art strahlt der Blick Ungeduld aus. Bill Gates redet bei seinem Deutschland-Besuch gerne über die großen Dinge – aber wirkliche Visionen bringt der Microsoft-Chairman nicht mehr mit.

MÜNCHEN. Auch mit 50 Jahren und zwei Jahre vor seinem endgültigen Ausstieg aus dem operativen Tagesgeschäft will Bill Gates, Gründer von Microsoft und Vater der meisten heutigen PC-Systeme, in der modernen IT-Welt noch kräftig mitmischen.

Das merken auch die rund 2 000 Gäste der Microsoft-Kundenkonferenz „Convergence“ im Münchener Kongress-Zentrum. Von der letzten Meile auf dem Weg zur Produktivität spricht Gates, ganz seriös in Anzug und dunkler Krawatte gekleidet. Immer noch klaffe eine Lücke zwischen den Geschäftsprozessen, den Bedürfnissen der Kunden und der Software, die es zu schließen gelte. „Wenn die Leute immer noch Notizen auf kleine Zettel schreiben, ist was mit der Software falsch“, sagt Gates.

Und doch – es fehlt etwas an diesem Abend. Der Funke will nicht so recht überspringen, die großen Visionen bleiben aus. Lediglich die Ankündigung, die Firmensoftware „Dynamics“ künftig als Mietmodell anzubieten, hat Gates im Gepäck. Dabei wird keine andere Person so sehr mit der Entwicklung des modernen Personalcomputers verbunden wie Gates. Die IT zog den immer noch wie ein eher schüchterner Schuljunge wirkenden Microsoft-Gründer schon in der Jugend in seinen Bann.

Doch mittlerweile sind es mehr die übergreifenden Themen, die Gates interessieren. So auch an diesem Vormittag in Ingolstadt. Vor einer „digitalen Spaltung“ der Gesellschaft in Menschen mit entsprechenden IT-Kenntnissen und solchen ohne warnt Gates. „IT-Kompetenz und praktische Kenntnisse im Umgang mit Computern bilden die Fundamente globaler Wettbewerbsfähigkeit in der neuen Welt der Wissensarbeit“, sagt er und startet mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die Initiative „IT-Fitness“. Sie will junge Menschen in Deutschland fit machen für den Umgang mit IT im Berufsleben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die PC-Ära neigt sich dem Ende zu

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