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04.01.2008 
MBA-Karriere

London: Chancen für Leistungswillige

von Christoph Mohr

Gerhard Grueter schaffte dank seines MBA den Einstieg ins Investment-Banking. Aber er weiß: Auch Banker-Millionäre können ganz schnell auf der Straße stehen.

Es ist eine MBA-Karriere wie aus dem Bilderbuch: Als es ihm bei Mercedes-Benz in Stuttgart etwas eng wurde, entschied sich der Wirtschaftsinformatiker Gerhard Grueter für ein Business-School-Studium in den USA. Und der Cornell-MBA katapultierte ihn dann wunschgemäß ins Investment-Banking zu Merrill Lynch. "Die Wahl London traf ich 2001 mitten in der Dotcom-Krise. Während in New York noch entlassen wurde, wurden in London bereits wieder Leute gesucht."

Eine Entscheidung, die Grueter, der mittlerweile von Merrill Lynch zu einer Investmentfonds-Firma gewechselt ist, nie bereut hat: "Ich habe London als erstaunlich offen kennengelernt. Woher man kommt, zählt in der Finanzbranche nicht viel. Auf was es wirklich ankommt, ist Leistung. Und es ist nicht ungewöhnlich, dass bereits unter 30-Jährige Verantwortung für Millionengeschäfte bekommen."

Aber Grueter, heute 33, ist Realist: "Die Karrieren in der Londoner Finanzindustrie können schnell nach oben gehen, aber auch genauso schnell nach unten. Und man darf nicht vergessen, dass diese Industrie zyklisch ist. Weil die Entlassungen sich dann bei vielen Banken und Finanzdienstleistern häufen, stehen gleich Hunderte City-Banker auf der Straße."

Von London sieht Grueter mitunter wenig: "Als Investmentbanker war ich oft auf Reisen, da sieht man Freunde über der Woche kaum, und oft wird auch eine Nachtschicht eingelegt, um Projekte zum Abschluss zu bringen." Und doch profitiert der Deutsche vom kosmopolitischen Flair der Weltstadt: "Ich empfand es immer als großen Luxus, mit Leuten aus verschiedenen Kulturen und Ländern zusammenzuarbeiten."

London aber ist teuer. "Ein Abendessen zu zweit liegt fast immer über 100 Euro. Die Mieten sind unvorstellbar hoch", berichtet Grueter. "Da hilft es, einen Job im Finanzbereich zu haben ..." Und was macht er mit dem vielen Geld? "Ein Auto hat keinen Sinn, weil man mit Taxi und Roller sowieso immer schneller ist. Und eine große Wohnung könnte ich gar nicht nutzen. Denn da bin ich eigentlich nur zum Schlafen."

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