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HANDELSBLATT, Mittwoch, 13. Februar 2008, 11:17 Uhr
Interview mit Insead-Chef Frank Brown

Insead goes America

Von Interview: Christoph Mohr

Die französische Top-Schule eröffnet nun auch eine Niederlassung in den USA. Was ist die Strategie dahinter? Fragen an Insead-Chef Frank Brown.


Als Sie im vergangenen Jahr quasi als amerikanischer Außenseiter Insead-Chef wurden, war die allgemeine Annahme, dass das Insead-Board eine stärkere Insead-Präsenz in den USA, vielleicht sogar einen eigenen US-Campus anstrebe. Ist das „Insead Office“ in New York jetzt der erste sichtbare Schritt Ihrer Amerika-Strategie?

Teil der Aufgabe, vor der wir stehen, wenn wir eine stärkere Präsenz in den USA haben wollen, ist es, neue Beziehungen zu Unternehmen in den USA und Kanada zu entwickeln und die Kunden, die wir bereits haben, besser zu betreuen. Das „Insead Office“ in New York wird in Zukunft die Beziehungen zu unseren Absolventen (Alumni Relations) pflegen, die Medien- und PR-Arbeit machen, die Werbung von potenziellen MBA-Studenten übernehmen und auch die Zahl der Managerfortbildungsprogramme (Executive Education) für den US-Markt erhöhen.

Bislang war die sichtbarste Insead-Verbindung nach Amerika das, was Sie die „Insead-Wharton-Alliance“ nennen, also die Kooperationsvereinbarung mit der US-Topschule Wharton in Philadelphia. Wie wir hören, ist nicht jeder am Insead mit dem Stand der Dinge zufrieden. Ist das der Grund, warum Sie es jetzt allein in den USA versuchen?

Die Insead-Wharton-Alliance ist sehr erfolgreich und deshalb auch verlängert worden. Jedes Jahr nutzten zwischen 100 und 150 unserer MBA-Studenten die Möglichkeit, einen Teil ihres MBA-Studiums an der Wharton School zu absolvieren. Von dieser Möglichkeit haben seit 2001 insgesamt über 700 MBA-Studenten Gebrauch gemacht. Außerdem wird jeder MBA-Student auch Teil des Wharton-Alumni-Netzwerks, das heißt, er hat Zugang zu 35000 Insead-Ehemaligen und 82000 Wharton-Ehemaligen.

Schön, aber damit bleibt die „Alliance“ doch nicht mehr als eine Vereinbarung zum Studentenaustausch!

Das stimmt so nicht. Im Laufe des Jahre haben 40 unserer Dozenten und Professoren und sechs Doktoranden an der Wharton School geforscht oder gelehrt. Bei fünf Insead- Promotionen waren Wharton-Professoren beteiligt. Und dann gibt es ja auch noch das Insead-Wharton-Center for Innovation in Business Research and Education, das gemeinsame Forschungs- und Lehrprojekte in allen Bereichen unternimmt. Hieraus allein sind 15 Insead-Wharton Working Paper entstanden, zwei Bücher, vier Fallstudien. Gegenwärtig gibt es allein zehn laufende Forschungsprojekte.

Was aber ist mit dem Programmbereich? Als die „Alliance“ angekündigt wurde, war von gemeinsamen Programmen die Rede, was ja unter Vermarktungsgesichtspunkten auch Sinn macht, da Insead eine nur schwache Präsenz in den USA hat, und Wharton eine schwache in Europa. Es gibt zwei Insead-Wharton-Fortbildungsprogramme für Manager: das „Leading Effective Sales Force Program“ und das „Strategic R & D-Management Program“ – das mit Jürgen Mihm (Insead) und Christian Terwiesch (Wharton) von zwei deutschen Professoren geleitet wird (Anm. d. Red.). Aber Wharton wird kaum gefallen, dass Insead in Zukunft auch ganz allein solche Programme in den USA anbieten wird. Ich sehe da kein Problem. Insead bietet eigene Programme in den USA an und Wharton beispielsweise in Singapur. Wir sind eben beide auf diesem Markt.

Was ist mit dem MBA-Markt? Rein theoretisch hätte Insead auch die Option, ein Double Degree (oder für Sprachpuristen Doppeldiplom-) MBA-Programm mit einer US-amerikanischen Business School anzubieten. Ist das eine Option für Sie?

Nein, ich glaube nicht, dass das eintreten wird.

Die andere Option wäre ein eigener US-Campus. Ist das Ihr Ziel?

Nein, definitiv nicht. Ich glaube, dass ein Drei-Campus-Konzept, also ein Campus in Fontainebleau, ein Campus in Singapur und ein Campus in den USA, nicht zu bewältigen ist.

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