KarriereMBA-SpecialMBA-Wissen
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 24. Mai 2007, 11:31 Uhr
Managerfortbildungsprogramme

Was ist Exec ed?

Von Christoph Mohr

Mit Managerfortbildungsprogrammen verdienen Business Schools weltweit viel Geld. Aber dafür leisten sie auch eine ganze Menge.


Es ist das kleine, schmutzige Geheimnis der internationalen Business School-Welt: Nicht mit ihren gleichwohl atemberaubend teueren MBA-Programmen verdienen die großen Business Schools in Europa und den USA ihr Geld, sondern mit der schnöden, wenig glamourösen Managerfortbildung. Exec ed heißt das im Business School-Slang, kurz für Executive Education.

Wohl wahr: Es gibt keine international führende Business School ohne gutes MBA-Programm. Der Master of Business Administration ist das Aushängezeichen einer Manager-Schmiede, manchmal sogar nur das güldene Feigenblatt.

Die Spielregeln sind einfach: Man stelle ein ordentliches Vollzeit-MBA-Programm auf die Beine, also ein postgraduales General Management-Programm, kein Spezialisierungsprogramm, lasse es von einer der beiden international maßgeblichen Akkreditierungsorganisationen, der US-amerikanischen AACSB oder der europäischen EFMD prüfen ("akkreditieren") und hoffe auf ein einigermaßen gutes Abschneiden auf einem der international einflussreichen Ranglisten ("Rankings") von Business Week, Economist, Financial Times oder Wall Street Journal.

Damit ist man im Spiel - oder wie praktisch alle deutschen Hochschulen, Business School und sonstigen Anbieter eben auch nicht. Mit der erworbenen Reputation kann man dann auch in die eigentlich lukrativen Märkte gehen - die Kurzzeitprogramme für zahlungskräftige Manager.

Wie lukrativ dieser Markt für die Business Schools ist, zeigt eine Handelsblatt-Recherche in den Bilanzen einiger Top-Schulen diesseits und jenseits des Atlantiks.

Beispiel Harvard Business School. Die US-amerikanische Top-Schule, lange Zeit weltweit der Inbegriff der Business School schlechthin, verzeichnete im letzten Bilanzjahr (2006) Einnahmen von gewaltigen 368 Millionen US-Dollar. Erlöse aus eigenen Aktivitäten wohlgemerkt, nicht Zinserlöse aus dem geradezu astronomischen Stiftungsvermögen von 2,34 Milliarden US-Dollar.

Aber der Großteil der Einnahmen stammt keineswegs von den 1 800 MBA-Studenten, die für ihr Managementstudium jährlich 37500 US-Dollar berappen müssen, aber nur 73 Millionen US-Dollar in die Harvard-Kassen spülten. 200 Millionen US-Dollar hingegen kamen aus Managerfortbildungskursen und den Verlagsaktivitäten der Schule!

Auch auf dieser Seite des Kontinents lässt sich mit Executive Education gutes Geld verdienen. Bei der London Business School schlagen solche Programme mit etwa 30 Millionen Pfund, also rund 44 Millionen Euro zu Buche.

Während sich der aktuelle Jahresbericht der französischen Top-Schule Insead (Fontainebleau) über solchen finanziellen Details ausschweigt, vermitteln die Vorjahresberichte noch eine Ahnung von den Dimensionen: So kamen im Bilanzjahr 2004/05 51 Prozent der Insead-Gesamterlöse von 131 Millionen Euro aus Executive Education-Programmen, während die klassischen MBA-Programme (Vollzeit und Teilzeit) nur für 32 Prozent der Einnahmen standen.

Es wäre jedoch völlig falsch, in solchen Zahlen ein Indiz dafür zu erblicken, dass die Business Schools mit ihren Manager-Programmen nur ihr MBA-Knowhow zweitvermarkten und zahlungskräftige Manager, bzw. die entsendenden Unternehmen "abzocken" wollen. Ein gutes Executive Education-Programm ist inhaltlich und pädagogisch so anspruchsvoll, dass die meisten deutschen Hochschulen dies nicht auf international gängigem Niveau leisten können.

Zum einen sollten dabei Programminhalte und Dozenten auf dem letzten Stand der Forschung sein. Zum anderen müssen diese Inhalte aber teilnehmergerecht vermittelt werden. Hier geht es nicht um Vorträge auf hohem wissenschaftlichen Niveau, sondern um interaktives Lernen, bei dem die Erfahrungen der Teilnehmer genauso wichtig sind wie der Input der Dozenten, was wiederum erklärt, warum der richtige Teilnehmer-Mix bei solchen Programmen "die halbe Miete" ist.

Noch höhere Anforderungen an das Leistungsvermögen einer Business School stellen so genannte custom/customized oder company specific programs. Hier entwickelt die Schule maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Unternehmen. Weltweit sind wohl nur 20-25 Business Schools in der Lage, solche sehr komplexen Angebote zu entwickeln. Und international zu "liefern".




WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Die europäische Top-Liga(18.03. 12:53)
Artikel Was ist Exec ed?(24.05. 11:31)
Artikel Stress pur rund um die Uhr(30.03. 11:59)
Artikel Gute und unseriöse Anbieter (30.03. 11:46)
Artikel Vollzeit oder Teilzeit? Das ist hier die Frage(30.03. 11:39)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

MBA - NEWSLETTER

Bleiben Sie up to date!
Abonnieren Sie alle News aus den Business Schools 14-täglich. Natürlich kostenlos!  Newsletter bestellen

MBA-TAGEBUCH

Ist die Ausbildung an einer Business School wirklich so hart wie ihr Ruf? MBA-Studenten schreiben für karriere.de regelmäßig Tagebuch und erzählen von ihrem Leben während der Ausbildung zum Master of Business Administration.
aktuelle Einträge

GMAT + TOEFL
Do you speak English? Are you a future CEO? Viele Business Schools verlangen bestandene GMAT- und TOEFL-Tests, um die Eignung ihrer potenziellen Studenten einschätzen zu können.
TOEFL: Das Englisch-Sprachzertifikat
Der TOEFL Test ist der weltweit verbreitetste standardisierte Englischsprachtest – eine Eingangsvoraussetzung für viele internationale und akademische Programme im Ausland.
GMAT: Bewerber sollen Führungspotenzial haben
Der GMAT prüft das Führungspotenzial künftiger MBA-Studenten. Auf ihn sollten sich Bewerber gut vorbereiten.
QUIZ
Quiz  Das perfekte Dinner mit dem Chef
Höflichkeit und gute Manieren sind im Job oft entscheidend. Neben alltäglichen Fallen während der Bürozeit, lauern nach Feierabend eher exotische Fettnäpfchen. Wissen Sie, was zu tun ist, wenn Sie ganz groß ausgehen? Machen Sie mit bei unserem Quiz und wappnen Sie sich für das perfekte Dinner mit dem Chef!
Quiz  Kennen Sie die Welt der Business Schools?
Die Bedeutung des Master of Business Administration (MBA) ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen – und MBA-Absolventen sind bei Top-Arbeitgebern gefragt. Doch die Wahl der richtigen Ausbildungsstätte ist nicht leicht. Wissen Sie, was Sie auf dem Weg zum MBA beachten müssen? Testen Sie Ihr Können rund um die Welt der Business Schools in unserem Quiz!
Quiz  Wer wirklich wichtig ist
Chief Culture Officer, Chief Apology Officer, ja sogar der Titel des Chief Happiness Officer sind in der Unternehmenswelt anzutreffen. Aber wer kennt sich noch aus mit all den schicken Namen und weiß, wer etwas zu sagen hat und wer nicht? Lassen Sie sich nicht aufs Glatteis führen – machen Sie sich fit in unserem Quiz.
Quiz  Do you know Business English?
Sie sprechen fließend Englisch – aber kennen Sie sich auch mit dem richtigen Gebrauch von Business English aus? Können Sie sich im geschäftlichen Bereich geschliffen artikulieren? Überprüfen Sie Ihr Können im Quiz des Englischmagazins Business Spotlight! Und Vorsicht - wir versuchen Sie auf's Glatteis zu führen!

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Unzufrieden?

Verdienen Sie, was Sie verdienen? So holen Sie beim Gehalt mehr raus.
Der Macht-Code

Sie haben Kollegen und Vorgesetzte, die Sie manipulieren? Wie Sie das verhindern.
Gründerschmieden

Welche Universitäten am besten auf die Selbstständigkeit vorbereiten.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick