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HANDELSBLATT, Mittwoch, 17. Mai 2006, 09:23 Uhr
Hörbücher und Podcasts

Die Stimme der Firma im ICE hören

Von Christoph Lixenfeld

Der Boom des Vertonten schlägt sich mittlerweile auch auf die Kundenbetreuung von Unternehmen nieder: Um ihren Kunden komplexe Themen zu vermitteln, lassen Firmen verstärkt Hörbücher und Podcasts produzieren, statt Broschüren zu drucken.


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ICE-Zug der Bahn. Foto: AP
Bild vergrößernICE-Zug der Bahn. Foto: AP

Das Motorendröhnen der Formel 1-Boliden wird leiser. Das Röhren bleibt aber im Hintergrund weiter vernehmbar, als der Interviewer im Stile eines professionellen Rundfunkreporters seine Fragen stellt. Was klingt wie eine Life-Reportage vom Nürburgring, ist aber etwas völlig anderes: ein Hörbuch über den Einsatz von Informationstechnologie in der Autobranche, und die Interviewte ist IT-Managerin bei Daimler-Chryslers Formel 1-Motorenhersteller Mercedes-Illmor.

In Auftrag gegeben hat das Hörerlebnis der Softwareriese SAP zusammen mit dem Dienstleister Itelligence. Das Ziel war es, Entscheidern in der Auto-Zulieferindustrie leicht verdaulich die Vorteile von SAP-Programmen nahe zu bringen.

Damit treffen die Macher der Nerv der Zeit, das Hörbuch erlebt einen nachhaltigen Boom: Während der Buchmarkt stagniert, wächst der Umsatz mit Vertontem – im vergangenen Jahr um über 20 Prozent. Tendenz steigend. Viele haben eher die Zeit, eine Weile konzentriert zuzuhören, als zu lesen – etwa auf langen Autofahrten. Das weitaus meiste davon ist natürlich Schöngeistiges, aber auch das Interesse an hörbaren Sachinfos aus der Technikecke steigt: Das Audioportal Diadopo.de zum Beispiel richtete im Oktober vergangenen Jahres einen IT-Schwerpunkt ein.

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Ein Aufwand, wie ihn Itelligence und SAP bei der Produktion trieben, ist dabei keineswegs ungewöhnlich. Kaum ein Audiobook wagt es heute noch, seine Hörer mit stumpf heruntergelesenen Texten abzuspeisen. Klangatmosphäre für den Hintergrund, Musik und verschiedene Sprecher sind Standard. Was aber vor allem zählt sind O-Töne von Anwendern einer Technik oder von prominenten Managern der jeweiligen Firma.

„Viele Unternehmen haben ein Gesicht, aber sie haben keine Stimme. Die Stimme aber verleiht nicht nur Menschen, sondern auch Firmen eine Persönlichkeit“, urteilt Alexander Wunschel, der als Chef der Agentur Markendreiklang in München Unternehmen bei der auditiven Vermittlung ihrer Botschaften berät.

Dass Hören statt lesen auch im Businessbereich immer mehr zum Trend wird, hat seiner Ansicht nach einen sehr einfachen Grund: Viele verbringen viel Zeit im Auto, und die meisten Wagen haben einen CD-Player. Warum sich also nicht ab und anstatt Musik oder Radioprogramm kompakte, spannend aufbereitete Infos für den Beruf anhören?

Am häufigsten dient das Fahrzeug dazu, seinen Besitzer zur Arbeit und wieder nach Hause zu bringen. Dieser Arbeitsweg dauert im Schnitt 24 Minuten, hat Wunschels Agentur Markendreiklang kürzlich ermittelt. Weil das zu kurz ist, um ein ganzes Hörbuch zu konsumieren, empfiehlt Wunschel stattdessen den Einsatz von so genannten Podcasts. Das sind abonnierbare, in Serie produzierte Rundfunkstücke. Diese kann man sich vom Computer auf jeden USB-Stick – wie etwa den iPod von Apple – herunterladen und bequem von unterwegs anhören.

Egal ob im Zug, im Auto oder im Flieger. Der Vorteil daran ist: Der Hörer muss nicht wie bei einer konventionellen Rundfunksendung zu einer fixen Zeit vor dem Empfänger sitzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Manager haben keine Ahnung, was ein Podcast ist.


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