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02.03.2008 
Erkaufte Titel

Eitel bis zum Knast

von Bärbel Schwertfeger

Ob aus Geltungssucht, Eitelkeit oder wegen finanzieller Vorteile - immer mehr Manager schmücken sich mit falschen akademischen Titeln und riskieren damit ihre Karriere. So mancher wird aber auch Opfer raffinierter Titelhändler.

Titelmissbrauch kann in Deutschland mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldbuße geahndet werden. Foto: dpaLupe

Titelmissbrauch kann in Deutschland mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldbuße geahndet werden. Foto: dpa

Eigentlich hätte Thomas Kühr seinen Doktortitel der St.Bernhards Zürich-Universität überhaupt nicht nötig gehabt: Immerhin galt er als Pionier der Venture-Capital-Industrie in Deutschland, war Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und Geschäftsführer von T-Venture.

Doch dann wurde publik, dass es sich bei der vermeintlichen Schweizer Uni um eine dubiose Titelmühle handelte, bei der sich akademische Abschlüsse käuflich erwerben ließen. Kühr musste 2005 nicht nur auf seinen Doktortitel, sondern auch auf seine Posten verzichten.

Ob aus Geltungssucht, Eitelkeit oder wegen finanzieller Vorteile - akademische Titel üben auf viele immer noch eine magische Anziehungskraft aus. Der Handel mit gekauften Doktor-, Professoren- oder MBA-Abschlüssen blüht wie nie zuvor. Experten schätzen die Zahl der Titelmühlen weltweit auf über 2 000, ihre jährlichen Einnahmen auf über 500 Millionen Dollar. Und das trotz eindeutiger Strafbarkeit. Denn wer in Deutschland unerlaubt akademische Grade führt, verstößt gegen § 132a Strafgesetzbuch und riskiert bis zu einem Jahr Gefängnis.

"Der Titelhandel hat eindeutig zugenommen", beobachtet Manuel René Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der seit Jahren gegen die illegalen Titel-Geschäfte kämpft. Vor allem das Internet und die EU-Erweiterung haben dem Geschäft zu neuem Aufschwung verholfen. Fast täglich landen Titel-Angebote in der Mailbox. Im Internet werben Betrüger und sogenannte Promotionsberater ungeniert für ihre Dienste.

Seitdem auch die Abschlüsse aus bei Titelhändlern beliebten Ländern wie Tschechien, Rumänien oder Bulgarien nicht mehr in Originalform und mit Zusatz der verleihenden Hochschule geführt werden müssen, boomt das Geschäft sogar an renommierten Universitäten.

Als zum Beispiel Professor Theissen verdeckt die Dienste eines Hamburger Promotionsberaters anfragte, wurde ihm angeboten, seine Promotion innerhalb eines Jahres an einer angesehenen Universität in der Slowakei beenden zu können. Kosten 20 750 Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In der Schweiz kann jeder in seinem Wohnzimmer eine Universität betreiben und Diplome ausstellen

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