„Fachlich geprägte Führungskräfte dagegen bekommen in unseren Potenzialanalysen insgesamt kein gutes Zeugnis, wenn es um deren Eignung für unternehmerische Aufgaben geht“, sagt Kell. Das gelte auch für Finanzmanager, die in puncto Lernbereitschaft und Entscheidungskraft häufig deutliche Schwächen hätten. Dies sei besonders bedauerlich, da sie in ihrer Funktion zunehmend wichtige Unternehmensentscheidungen fällten, betont der Personalfachmann. Chefentwickler hingegen sind laut Studie zwar überdurchschnittlich analytisch und kreativ, hätten jedoch oft klare Defizite, wenn es um entschlossenes und ergebnisorientiertes Umsetzen geht.
Einseitige fachliche Karrieren, und seien sie noch so kometenhaft, sind keine gute Vorbereitung für Manager, schlussfolgert die Studie. „Wer ganz an die Spitze will, sollte darauf achten, so früh wie möglich geschäftliche Gesamtverantwortung zu übernehmen – selbst zum Beispiel für eine noch so kleine Auslandstochter“, rät Kell. „Breite geht hier ganz klar vor Größe.“
Diese Erkenntnis beherzigen Unternehmen mit guter Personalförderung seit langem. General Electric etwa überträgt jungen Talenten früh unternehmerische Verantwortung für sogenannte Popcorn-Shops – kleine Geschäfte, in denen sie sich beweisen müssen. In Deutschland dagegen sei eine fachlich getriebene Karriereplanung noch weit üblicher als in angelsächsischen oder skandinavischen Unternehmenskulturen, kritisiert Kell. Fazit: Früh übt sich, wer ein CEO werden will.
