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28.01.2008 
Studie zu Investment-Fehlern

Börse: In 50 Jahren kommt es auf 10 Tage an

von Olaf Storbeck

Der Dax fährt derzeit Achterbahn - und gerade Tage mit heftigen Kursausschlägen sind absolut entscheidend für die Rendite, die Aktionäre erzielen, zeigt eine neue Studie. Wer die zehn schlechtesten Tages des Dax seit 1958 vermieden hätte, hätte 140 Prozent mehr verdient als jemand, der immer investiert war. Was Anleger daraus lernen können.

Dax auf Talfahrt. Foto: apLupe

Dax auf Talfahrt. Foto: ap

Alle Schwäne sind weiß - davon waren die Europäer bis ins frühe 17. Jahrhundert überzeugt. Bis zur Entdeckung Australiens und des dortigen "Trauerschwans".

Für den amerikanischen Wissenschaftler Nassim Nicholas Taleb ist diese Anekdote ein Beispiel für ein Phänomen, das nicht prognostizierbar und selten ist, aber, wenn es eintritt, das bisherige Weltbild auf den Kopf stellt. In seinem Bestseller "The Black Swan" stellt Taleb die These auf: Solche Überraschungen und Zufälle bestimmen große Teile des menschlichen Daseins , werden von uns aber systematisch unterschätzt.


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Genau heute vor einer Woche lief Börsianern so ein schwarzer Schwan über den Weg - an den Börsen brach Panik aus, der Dax erlebte einen der schärfsten Einbrüche seiner Geschichte.

Nach der Logik der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die auf der Gauß?schen Normalverteilung basiert, kommen solche Ausreißer wie am 21. Januar 2008 extrem selten vor. Dennoch haben sie einen enormen Einfluss darauf, wie viel Aktionäre an der Börse verdienen. Javier Estrada, Finanzprofessor an der IESE Business School in Barcelona, führt dies in einer Studie mit dem Titel "Black Swans and Market Timing: How Not to Generate Alpha" eindrucksvoll vor Augen - am Beispiel der langfristigen Kursentwicklung der Aktienbörsen von 15 Ländern.

Ein zentrales Ergebnis ist: Die tägliche Performance der Börsen folgt nicht der Gauß?schen Normalverteilung. Krasse Ausschläge nach oben und unten kommen wesentlich häufiger vor. Würde die Tagesperformance des Dow-Jones-Indexes der berühmten Glockenkurve folgen, dann würden die Kurse quasi nie an einem Tag um mehr als drei Prozent steigen oder fallen. An 99,73 Prozent aller Handelstage würde der Index höchstens um 3,17 Prozent sinken oder maximal 3,22 Prozent klettern.

»  Klicken Sie hier zum Download der kompletten Studie.

Größere Schwankungen hätte es daher an den 29 190 Handelstagen zwischen 1900 und 2006 theoretisch 79-mal geben dürfen. Tatsächlich kamen sie aber 461-mal vor - sechsmal häufiger als bei einer Gauß?schen Normalverteilung.

Ein anderes Ergebnis ist noch eindrucksvoller: Ein Tagesplus von mehr als 9,2 Prozent würde es bei einer Normalverteilung der täglichen Schwankungen des Dow-Jones-Indexes in 1 003 561 397 831 590 Jahren nur an einem einzigen Handelstag geben. In der Realität gab es in 107 Jahren ein Tagesplus über 9,2 Prozent in 10 Fällen.

Bei Hedge-Fonds-Managern müssen diese Zahlen die Alarmglocken schrillen lassen. Denn die üblichen mathematischen Modelle unterstellen alle die Normalverteilung der Aktienrenditen. Wer sich darauf verlässt, unterschätzt die tatsächlichen Risiken massiv. Er läuft große Gefahr, früher oder später böse über einen schwarzen Schwan zu stolpern. Und das wird in aller Regel ziemlich teuer.

Denn für das, was Aktionäre an der Börse verdienen können, sind gerade diese Ausreißer entscheidend, zeigt der Forscher. Wer seit 1959 jeden Tag den gleichen Betrag in ein Dax-Portfolio gesteckt hätte und nur vor den zehn schlechtesten Handelstagen ausgestiegen wäre, hätte dadurch fast 140 Prozent mehr verdient als ein Anleger, der kontinuierlich investiert gewesen wäre. Wer dagegen die zehn besten deutschen Börsentage seit 1959 verpasst hätte, der hätte fast 54 Prozent weniger verdient.

"Zehn Tage machen weniger als 0,1 Prozent aller betrachteten Handelstage aus", betont Estrada. "Vor diesem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, erschütternd gering." Anleger könnten sich die Mühe, durch das richtige Timing an der Börse Geld zu verdienen, vollständig sparen.

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