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 HANDELSBLATT, Montag, 8. Oktober 2007, 11:31 Uhr
Debatte über Konzeptpapier von Harald Uhlig

Deutsches Uni-System ist marode


Die schonungslose Abrechnung des Chicagoer Professors Harald Uhlig mit dem deutschen Hochschulsystem hat bei Wissenschaftlern im In- und Ausland eine lebhafte Debatte ausgelöst. Nahezu alle Wissenschaftler im In- und Ausland stimmen der Analyse der Mängel des deutschen Unis zu. Uhligs Lösungsvorschlag dagegen ist heftig umstritten.


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Das Hochschulsystem der Bundesrepublik ist nach Ansicht führender deutscher Auslandsökonomen international nicht wettbewerbsfähig. Die Arbeitsbedingungen und Leistungsanreize für Spitzenforscher seien schlecht, die Fachbereiche zu klein, unterfinanziert und erstickten in Bürokratie, kritisieren deutsche Top-Volkswirte, die an ausländischen Universitäten arbeiten.

Ohne tiefgreifende Reformen des Hochschulsystems lasse sich in Deutschland mehr wissenschaftliche Exzellenz nicht erreichen. „Es ist eine Schande, dass Deutschland seine Universitäten dermaßen vernachlässigt, nicht nur in der Volkswirtschaftslehre“, sagt der 36-jährige Mikroökonom Lars Ehlers, Professor in Montreal und einer der forschungsstärksten deutschen Volkswirte seiner Generation.


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Die deutschen Ökonomen im Ausland stellen sich damit hinter die kritische Analyse ihres Kollegen Harald Uhlig. Der Makroökonom hatte Ende September eine schonungslose Abrechnung mit dem deutschen Hochschulsystem im Allgemeinen und den hiesigen VWL-Fakultäten im Besonderen veröffentlicht. Den deutschen Fachbereichen für VWL attestiert er mangelnde wissenschaftliche Exzellenz. Verantwortlich dafür sei die Hochschulpolitik.

London Stock Exchange
Chart: London Stock Exchange
Analystenmeinung

Allerdings: Während Uhligs Diagnose des Status quo bei fast allen Top-Ökonomen im In- und Ausland Zustimmung findet, ist seine Therapie umstritten. Als Ausweg fordert Uhlig nämlich die Gründung eines neuen Elite-Fachbereichs, der nicht in die bestehende deutsche Uni-Landschaft eingebunden sein soll. Fast alle in Deutschland tätigen Forscher, aber auch etliche Auslandsökonomen lehnen diese Idee ab. Sie empfehlen stattdessen, die besten bereits existierenden VWL-Fakultäten zu reformieren und zu stärken.

Uhligs Stimme hat Gewicht: Er ist einer der international renommiertesten deutschen Ökonomen. Im Sommer 2007 wechselte er von der Berliner Humboldt-Uni (HU) nach Chicago an eine der drei besten Ökonomie-Fakultäten der Welt. Deutsche Universitäten seien zu wenig der „Mission Wissenschaft“ verschrieben, kritisiert Uhlig. Bürokratie und Managementaufgaben würden exzellente Forschung und Nachwuchsausbildung massiv behindern. Die Lehrbelastung sei mehr als doppelt so hoch wie an besseren ausländischen Universitäten, die Gehälter dagegen deutlich niedriger.

Fast alle vom Handelsblatt befragten Top-Ökonomen teilen diese Analyse. „Es fehlt an dreierlei – an der kritischen Masse, der Exzellenz und an effizienten Strukturen“, so der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl, der die HU Berlin jüngst in Richtung London School of Economics (LSE) verlassen hat. „Die deutsche Universität ist nach ähnlichen Prinzipien organisiert wie der Feudalismus mit seinen Duodezfürsten und Gutsherren.“ Henning Bohn von der University of Santa Barbara betont: „Den deutschen Hochschulpolitikern muss klar werden, wie weit die Forschungsbedingungen an den deutschen Universitäten von der international Spitze entfernt sind.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was prominente deutsche Ökonomen sagen


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