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17.01.2008 
Manager als Dozent

Wie Professor Einauge die Finanzkrise erklärt

von Michael Maisch

Bei seiner ersten Vorlesung an der London School of Economics versprüht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wenig Optimismus. Stattdessen rechnet er damit, dass die Banken weltweit noch Milliarden abschreiben müssen. Seinen Job mag er trotzdem.

"Deprimierend, aber überzeugend": Josef Ackermann. Foto: dpaLupe

"Deprimierend, aber überzeugend": Josef Ackermann. Foto: dpa

LONDON. Um drei Ecken und wieder zurück zieht sich die Warteschlange. Aufgeregtes Gemurmel schwappt wie eine Welle durch die Menge, gerade so, als stünde man hier für ein Popkonzert an – von Bruce Springsteen vielleicht. Er zieht, der heutige Gaststar der London School of Economics (LSE), keine Frage, auch wenn er als Opernfan mit Pop nichts am Hut hat. Aber auch das spielt heute Abend eigentlich keine Rolle.

Die Fangemeinde von weit mehr als 700 Studenten wartet auf den ersten Auftritt von Josef Ackermann als Gastprofessor an der LSE. Sein Sujet: Risikomanagement. Der Deutsche-Bank-Chef will dem vielversprechenden Finanznachwuchs die Kreditkrise und ihre Folgen näherbringen.

„Das kann man sich nicht entgehen lassen“, sagt Louise Williams, „ein prominenter Banker, der versucht zu erklären, was er und seine Kollegen angerichtet haben.“ Eine Stunde hat die Studentin geduldig vor dem „Old Theatre“, dem großen Lesesaal der LSE, ausgeharrt.

Hinterher, nach eineinhalb Stunden Vortrag, ist der Applaus groß. Erklärungen für die Finanzkrise hatte Professor Ackermann so einige parat, Lösungen allerdings nicht. Im Gegenteil: Wer auf Optimismus und Zuversicht für die Finanzmärkte gehofft hatte, der hoffte vergebens.

Mit dem Thema des Abends kennt sich der Professor natürlich bestens aus. Denn mit ihrer Vermutung, dass die Banker da etwas angerichtet hätten, lag Miss Williams ja ungefähr zur Hälfte richtig. Zur Hälfte deshalb, weil Ackermann weiland mit dafür sorgte, dass das hässliche Wort „Subprime“ mittlerweile fest im deutschen Sprachschatz verankert ist. Ende Juli hatte die Deutsche Bank ihrem Partner IKB den Kredithahn zugedreht, weil die Risiken, die die biedere Mittelstandsbank mit wagemutigen Engagements in den USA angehäuft hatte, aus dem Ruder liefen.

Seither tobt in den Banker-Hinterzimmern die Diskussion, ob Ackermann damit den deutschen Bankenmarkt vor Schlimmerem bewahrte – oder ob er nicht doch ein wenig zu clever war und einem überforderten Geschäftspartner zuerst dubiose Papiere verkaufen ließ, um dann die Aufräumarbeiten der gesamten Branche aufzuhalsen. Schließlich mussten die deutschen Banken in toto die IKB per konzertierter Aktion mit Milliardenhilfen auffangen.

Doch solch hässliche Nebenkriegsschauplätze spielen für den LSE-Professor keine Rolle. Denn „angerichtet“ hat die Deutsche Bank bislang kaum etwas, zumindest wenn es um die eigene Bilanz geht. Ackermann kann die Rolle des Welterklärers also mit gutem Gewissen spielen.

Gerade mal 2,2 Milliarden Euro musste Deutschlands Branchenprimus wegen Subprime-Verlusten bislang abschreiben. Verglichen mit den 18 Milliarden Dollar, die die größte Bank der Welt, die Citigroup, in den Sand setzte, fällt Ackermanns Missgeschick wohl in die „Peanuts“-Kategorie. Zumal sein Vorstandswunderkind Anshu Jain gegenüber Analysten versichert, dass in den Büchern nach bestem Wissen und Gewissen keine allzu bösen Überraschungen mehr schlummern dürften.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was da Publikum von Ackermanns Auftritt hielt

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