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28.01.2008 
Subprime und Börsencrash

Die Anatomie der Krise

von Olaf Storbeck

Ökonomen sezieren die Turbulenzen auf den Finanzmärkten – ihre Befunde sind beunruhigend: Das internationale Finanzsystem hat offenbar eine eingebaute Neigung zu Instabilität. Aber erst die US-Notenbank Federal Reserve hat mit ihrer laxen Geldpolitik zwischen 2002 und 2005 das Fundament für die Krise gelegt.

Illustration: Lutz WidmaierLupe

Illustration: Lutz Widmaier

Das Arbeitspapier hat die Ordnungsnummer 13639 und steht seit November 2007 auf der Internet-Seite des National Bureau of Economic Research. Es handelt sich um eine rein theoretische Arbeit, abstrakt, voll komplexer Formeln und einem neunseitigen mathematischen Anhang. An sich keine sonderlich spannende Bettlektüre.

Wer aber verstehen will, was derzeit auf den Finanzmärkten passiert, für den lohnt sich ein Blick in die Studie „Inefficient Credit Booms“. Guido Lorenzoni, Assistenz-Professor am MIT und Berater der Federal Reserve Bank of Chicago, zeigt: Frinanzkrisen können aus sich selbst heraus entstehen – auch in effizienten Märkten mit rationalen Akteuren. Unter bestimmten Umständen neigen diese dazu, sich übermäßig zu verschulden. Eine solche Kreditblase mündet in einem Crash – die Investitionen brechen ein, ebenso die Preise für Vermögenswerte. „Volatilität und ein gewisser Grad an Fragilität des Finanzsystems“, lautet das Fazit von Lorenzoni, „sind unvermeidbar“.


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Auf die Selbstheilungskräfte des Marktes, so die Botschaft, kann man sich nicht immer verlassen. Selbst dann nicht, wenn man potenziell destabilisierende psychologische Faktoren wie Panik und Gier ausklammert.

Eine ähnliche These – allerdings mit anderer Herleitung – hat der amerikanische Makroökonom Hyman P. Minsky vor Jahrzehnten aufgestellt. Der 1996 mit 77 Jahren gestorbene Wissenschaftler attestierte dem Finanzsystem sogar einen inhärenten Hang zur Instabilität. Jeder Wirtschaftsaufschwung nähre unweigerlich seine Krise.

Im Zuge der Subprime-Krise ist der lange in Vergessenheit geratener Forscher wieder ins Blickfeld gerückt – Wissenschaftler, Bankenvolkswirte und Finanzjournalisten sehen erhebliche Parallelen. „Der aktuelle Credit Crunch in den USA“, schreibt der US-Ökonom Charles Whalen in einer im Oktober 2007 veröffentlichten Studie, „kann als Minsky-Moment gesehen werden.“

» Die zitierten Studien im Original - klicken Sie hier.

Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten – aber auch erhebliche Unterschiede, wie der US-Wissenschaftler Jan Kregel in einer im Januar veröffentlichten Arbeit deutlich macht. Wichtige Teile von Minskys Argumentationskette ließen sich auf die Subprime-Krise nicht anwenden. Kern seiner Überlegungen war: Im Laufe einer langen Stabilitätsphase erodieren langsam und unmerklich die Sicherheitsstandards, die Banken bei der Vergabe von Krediten anlegen. Weil es in wirtschaftlich guten Zeiten wenig Zahlungsausfälle gibt, würden die Banken im Laufe der Zeit immer laxer, zugleich würden dank der Hochkonjunktur die Schuldner immer optimistischer. Beides heize die Kreditvergabe an. Irgendwann kämen auch Schuldner zum Zuge, die ihre Verbindlichkeiten nur mit neuen Schulden bedienen können – eine Situation, die Ökonomen als „Ponzi System“ bezeichnen, nach dem Betrüger Charles Ponzi, der mit einem Schneeballsystem in den zwanziger Jahren Millionen ergaunerte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was der Kern der Krise ist

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