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HANDELSBLATT, Montag, 28. April 2008, 17:00 Uhr
"Geburtstagskonferenz" für Ifo-Chef

Hochamt für Hans-Werner Sinn


Es gibt nicht viele Ökonomen in Deutschland, die sich zu ihrem 60. Geburtstag so sehr feiern lassen würden wie Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Und es gibt nicht viele, die von so vielen Top-Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland so sehr gefeiert würden wie Sinn. Ifo-Institut und LMU München veranstalteten jetzt eine hochkarätig besuchte wissenschaftliche Konferenz mit viel Promimenz.



Hans-Werner Sinn auf seiner "Geburtstagskonferenz" (Foto: Olaf Storbeck)
Bild vergrößernHans-Werner Sinn auf seiner "Geburtstagskonferenz" (Foto: Olaf Storbeck)

An die 300 Besucher zählte die „Hans-Werner Sinn Geburtstagskonferenz“, die die Ludwig-Maximilians-Universität und das Ifo-Institut am Freitag in der noblen Residenz in München veranstaltete. Die Ökonomie-Nobelpreisträger James Mirrlees und James Heckman waren darunter, ebenso die legendäre Peggy Musgrave, die mit ihrem 2007 verstorbenen Mann Richard die moderne Finanzwissenschaft begründete.

Die Tagung mit dem Titel „Economic Policy in the Presence of Globalization“ war ein Hochamt für den Anfang März 60 Jahre alt gewordenen Sinn – und ein Beleg dafür, wie angesehen und vernetzt dieser in der internationalen Ökonomenszene ist.

Neben vielen Elogen auf Sinns Leistungen und Verdienste gab es auf der Konferenz, die sich inhaltlich an Sinns Forschungsschwerpunkten orientierte, auch viele spannende Debatten. So stritt zum Beispiel der einstige EZB-Chefvolkswirt Ottmar Issing mit mehreren renommierten europäischen Makro-Ökonomen darüber, ob es neben der Europäischen Währungsunion auch eine Wirtschafts- und Sozialunion geben sollte. Issing lehnte dies strikt ab: Eine koordinierte Wirtschafts- und Sozialpolitik sei nicht nur unnötig, sondern gefährlich für die Stabilität des Euros. „Die Währungsunion kann ohne politische Union überleben“, sagte Issing. „Der Ruf nach einer europäischen Wirtschaftsregierung ist ein Ablenkungsmanöver.“ Den Befürwortern gehe es letztlich darum, die Unabhängigkeit der EZB und das Primat der Geldwert-Stabilität zu untergraben.

Der belgische Ökonom Paul de Grauwe widersprach: „Die unkoordinierte Wirtschafts- und Finanzpolitik in den Euro-Staaten ist eine Ursache für Schocks und Instabilität.“ Um die Währungsunion langfristig zu sichern, brauche Europa eine politische Union. Auch der Oxford-Ökonom Rick van der Ploeg sparte nicht mit Kritik an der EZB. Anders als die Federal Reserve Bank und die Bank of England sei die EZB zu einseitig auf die Inflationsbekämpfung fokussiert. Zudem habe die Gemeinschaftswährung Akzeptanzprobleme: „Der Euro mag ökonomisch ein Erfolg sein – die Menschen auf der Straße sehen das ganz anders.“

Neben der europäischen Integration war die Zukunft des Wohlfahrtsstaats ein zentrales Thema in München. Der Nobelpreisträger James Heckman forderte einen Kurswechsel in der Sozialpolitik. Der Staat solle viel stärker als bisher Kinder aus unterprivilegierten Gesellschaftsschichten fördern – am besten unmittelbar nach deren Geburt. „Es gibt einen überwältigen Berg an wissenschaftlichen Belegen, dass die ersten Jahre im Leben eines Menschen absolut entscheidend dafür sind, welche Fähigkeiten und Qualifikationen er später hat“, betonte Heckman. In den Industrieländern wachse der Anteil der Kinder, die in Unterschicht-Familien hineingeboren werden. Heckman: „In diese Kinder sollte der Staat so früh wie möglich und massiv investieren.“


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