Die US-Notenbank vertritt seit langer Zeit die Ansicht, dass sich solche Spekulationsblasen nicht im Voraus erkennen lassen. Den Zentralbanken bleibe deshalb nichts anderes übrig, als die wirtschaftlichen Folgen zu mildern, nachdem die Blasen geplatzt sind. Genauso ist der damalige Fed-Chef Alan Greenspan verfahren. Erst nach dem Börseneinbruch Ende 2000 und der beginnenden Rezession ein Jahr später eilte Greenspan der Wirtschaft mit drastischen Zinssenkungen zu Hilfe. Erst Mitte 2004 zog er die Zinszügel langsam wieder an.
Auf diese Weise sorgte Greenspan zwar dafür, dass die Rezession 2001 nur neun Monate dauerte. Zugleich legte er mit seiner Geldschwemme nach Meinung vieler Ökonomen den Keim für die nächste Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt. „Die lockere Geldpolitik der Fed war einer von mehreren Faktoren, die für die Finanzkrise verantwortlich sind“, sagt Martin Feldstein, Wirtschaftsprofessor an der Eliteuniversität Harvard. Auch der IWF schreibt in seinem jetzt vorgelegten World Economic Outlook, dass die Zinssenkungen in den Jahren 2001 und 2002 zu dem irrationalen Überschwang auf dem US-Immobilienmarkt beigetragen haben. Der Fonds folgert daraus, dass die Zentralbanken die Entwicklung der Hauspreise künftig bei ihrer Zinspolitik nicht mehr ignorieren sollten.
Der heutige Fed-Chef Ben Bernanke ist bislang dem Pfad seines berühmten Vorgängers gefolgt. Spät, dafür umso massiver hat er mit Zinssenkungen auf den Immobilien-Crash reagiert. Es spricht jedoch vieles dafür, dass Bernanke den zweifelhaften Erfolg von Greenspan nicht wiederholen kann. Anders als überbewertete Technologieaktien sind Häuser ein zentraler Bestandteil der US-Wirtschaft. Für die meisten Amerikaner stellen sie den größten Teil ihres Vermögens dar. So reagieren die Menschen auf die Vermögensverluste mit Konsumverzicht und beschleunigen so die wirtschaftliche Talfahrt. Auch deshalb kündigte die US-Regierung gestern an, ihr Hilfsprogramm für in Zahlungsnot geratene Eigenheimbesitzer bis zum Jahresende mehr als zu verdreifachen und auf 500 000 Nutznießer aufzustocken.
