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HANDELSBLATT, Sonntag, 4. Mai 2008, 09:00 Uhr

Verabschieden Sie sich aus der deutschen Politikberatung?

Nein, ich will im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums bleiben. Ob als Vorsitzender, muss man sehen. Meine erste Amtszeit geht dieses Jahr zu Ende.

Womit hätte Köln Sie zum Bleiben bewegen können?

Gar nicht. Es gibt nichts, was ich realistischerweise hätte fordern können. Ich kann ja nicht ernsthaft verlangen, dass wir hier vier oder fünf andere Finanzwissenschaftler berufen oder das ich komplett von der Lehre freigestellt werde, während meine Kollegen neun Stunden pro Woche im Hörsaal stehen. Ich habe hier daher gar nicht erst Bleibe-Verhandlungen geführt.

Die Uni Köln versucht derzeit gezielt, deutsche Top-Ökonomen im Ausland für sich zu begeistern – genau in dem Moment gehen sie weg. Ist das nicht ein fatales Signal?

Der Zeitpunkt meines Wechsels ist sicher ein bisschen ungünstig. Aber daran kann ich nichts ändern. Und wie gesagt: Für mich ist das keine Entscheidung gegen Köln, sondern eine für Oxford. Außerdem bleibe ich voraussichtlich assoziierter Professor in Köln und Direktor des Finanzwissenschaftliches Forschungsinstituts.

Aber wie soll Köln Top-Forscher aus dem Ausland überzeugen, wenn gleichzeitig gute Leute weggehen?

Ich glaube, mein Fall ist nicht repräsentativ. Wenn die Leute, die wir für die freien Stellen im Auge haben, ähnliche Angebote aus Oxford kriegen würden, hätten wir auch ein Problem. Mein Wechsel wird keinen direkten Einfluss auf die Berufungsverfahren haben. Außerdem sind die inhaltlichen Überschneidungen zu den Stellen, die wir besetzen wollen, gering: Ich bin Finanzwissenschaftler, wir suchen aber Makro-Ökonomen.

Wie wettbewerbsfähig sind die deutschen Fakultäten im internationalen Vergleich?

Mit neun Wochenstunden Lehrverpflichtungen und den administrativen Pflichten, die immer weiter zunehmen, werden sie sich schwer tun, gute ausländische Universitäten auszustechen. Auch das Forschungsumfeld, die mangelnde kritische Masse, ist ein Problem. Da müssen sich die deutschen Universitäten etwas einfallen lassen. So, wie sie jetzt strukturiert sind, kann man wenig machen. Aber gerade die Volkswirte in Köln sind auf dem richtigen Weg – die Idee, auf einen Schlag eine Gruppe von Makro-Ökonomen zu berufen, ist gut und macht eine Stelle hier für jeden einzelnen Forscher attraktiver.


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