Umstritten ist aber noch, wie aussagekräftig Makro-Experimente letztlich sind. Schließlich versuchen die Forscher in aller Regel, mit gerade mal einem oder zwei Dutzend Studenten eine gesamte Volkswirtschaft zu simulieren.
Die geringe Teilnehmerzahl wertet die Resultate nach Ansicht experimentell tätiger Makro-Ökonomen nicht ab. „Schon ab zehn Teilnehmern kann der Einzelne das Resultat nicht mehr wesentlich beeinflussen“, betont Nagel. Klar ist aber, dass die Methode ihre Grenzen hat. „Experimente werden schon rein zahlenmäßig nie die komplexen Märkte abbilden können mit mehreren Gütern, mit Konsumenten, Produzenten, Finanzmärkten und Regierungen“, betont Noussair. „Wir werden nie im Labor simulieren können, wie groß das Wachstum in Deutschland im nächsten Jahr sein wird.“
Problematisch sind Experimenten, in denen mehrere Sektoren einer Ökonomie gleichzeitig simuliert werden sollen. „Ich glaube nicht, dass das was bringt“, sagt der Bonner Ökonom Manfred J.M. Neumann. Schon theoretisch seien solche Mehr-Sektoren-Modelle überaus komplex. Es sei daher nicht möglich, diese auf ein für die Teilnehmer gut verständliches Niveau herunterzubrechen. Sinnvoll seien dagegen Makro-Experimente, die klar fokussierte Entscheidungen nachbilden – etwa wenn es darum geht, wie die Notenbank Inflation stabilisieren kann.
Genau das haben Alan S. Blinder (Princeton) und John Morgan (Berkeley) getestet. Die Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, ob Gruppen bessere geldpolitische Entscheidungen treffen als Einzelne, und kommen zu dem Schluss, dass dies in der Tat der Fall ist, wenn auch die genauen Mechanismen innerhalb der Gruppe noch zu erforschen sind.
Blinder räumt ein, dass im Labor nicht die langjährige Zusammenarbeit nachgestellt werden könne, die in der Realität die Arbeit der Notenbankgremien präge. Außerdem seien die monetären Anreize, die den Experimentteilnehmern geboten würden, klein im Vergleich zur tatsächlichen Arbeitssituation der Zentralbanker.
Entsprechend differenziert sehen denn auch die Experimentalforscher selbst ihren Beitrag – auch wenn sie in ihren Arbeiten mitunter brandheiße Eisen anpacken, wie Thorsten Hens aus Zürich. Er hat mit Experimenten untersucht, wie Notenbanker Blasen an den Finanzmärkten entschärfen können.
Zinserhöhungen müssen in der Modell-Ökonomie sehr drastisch ausfallen, damit sie wirken. Hens betrachtet Laborexperimente aber nur als „Hilfsforschung“: „Wenn es mehrere Hypothesen gibt, wie sich Konsumenten, Finanzmarktteilnehmer oder Produzenten in einer bestimmten Situation verhalten, könnten Experimente die plausiblen Hypothesen herauszufiltern.“
