Fakt ist: Um für hochkarätige Forscher nachhaltig attraktiv zu sein, müssen sich die deutschen Fakultäten ziemlich nach der Decke strecken. Gute ausländische Hochschulen bieten in der Regel deutlich bessere Arbeitsbedingungen: „In Deutschland müsste ich 270 Semesterwochenstunden pro Jahr unterrichten, in Großbritannien dagegen nur 80. Das lässt wesentlich mehr Zeit für international kompetitive Forschung“, berichtet der 34-jährige Sascha O. Becker, der nach seiner Habilitation in München auf eine unbefristete Professoren-Stelle im schottischen Stirling wechselt.
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Finanziell sind Jobs im Ausland oft deutlich attraktiver, und die Bürokratie-Belastung ist dort in der Regel ebenfalls geringer. Was viele Auslandsökonomen zusätzlich abschreckt ist, dass die deutschen Fakultäten im internationalen Vergleich eher klein sind. Die Wahrscheinlichkeit, mit Top-Kollegen aus der gleichen Disziplin zusammenzuarbeiten, ist dadurch geringer. Gute Forscher gehen vor allem dort gerne hin, wo schon andere gute Forscher sind. Selbst die Uni Zürich, im deutschsprachigen Raum laut Handelsblatt-Ranking mit Abstand die beste Adresse für VWL, leidet zum Teil unter diesem Problem.
Im Falle von Karl Schmedders halfen sich die Schweizer so: Sie machtem dem an der University of Pennsylvania beschäftigten Felix Kübler, der häufig mit Schmedders Artikel veröffentlicht, ebenfalls ein Angebot. „Dass wir in Zürich Tür an Tür arbeiten können, war für Felix und mich ein entscheidender Faktor“, sagt Schmedders.
Ähnliches versuchen die Volkswirte der Uni Köln, allerdings in größerem Stil. Sechs VWL-Lehrstühle, die fast gleichzeitig frei wurden, hat die Fakultät im Paket ausgeschrieben – und systematisch im Ausland tätige Deutsche angesprochen. „Wir wollen eine Makro-Gruppe schaffen und so das Problem der mangelnden kritischen Masse überwinden“, sagt der Kölner Volkswirt Achim Wambach. Eine ganze Reihe attraktiver Bewerbungen sei eingegangen. Wer am Ende berufen werde und ob diese Forscher kommen, sei aber noch offen.
Der Wechsel von Clemens Fuest nach Oxford mache ihm nicht zu schaffen. Wambach: „Wenn wir öfter Leute vom Kaliber Fuest hätten, die sieben Jahre bei uns sind und so gut publizieren, dass sie dann extrem attraktive Angebote aus dem Ausland bekommen, wäre das doch super.“
