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HANDELSBLATT, Montag, 7. Januar 2008, 12:22 Uhr
Pessimistische Prognose

Klimawandel kommt die Wirtschaft teurer als erwartet


Eine entschlossene Klimaschutzpolitik: Der Autor des viel beachteten „Stern-Reports“, Nicholas Stern, fürchtet, dass seine eigenen pessimistischen Prognosen noch übertreffen werden. Um einem gravierenden Einbruch der weltweiten Wirtschaftsleistung vorzubeugen, müssten Industrieländer ihre CO2-Emissionen um 75 bis 80 Prozent senken.


NEW ORLEANS. Die wirtschaftlichen Schäden eines unbegrenzten Klimawandels dürften nach Ansicht des britischen Ökonomen Nicholas Stern wahrscheinlich noch größer sein als in dem von ihm verfassten „Stern-Review zur Ökonomie des Klimawandels“ prognostiziert. Die 2006 veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis: Wenn die Menschheit den Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch einschränkt, droht bis 2050 ein Einbruch der weltweiten Wirtschaftsleistung um bis zu 20 Prozent.

„Meine persönliche Meinung ist, dass wir die Gefahren noch unterschätzt haben“, sagte Stern am Freitag auf der Jahrestagung der American Economic Association in New Orleans. Mit einem schnellen und entschlossenen Gegensteuern bei den CO2-Emissionen ließen sich die Risiken allerdings deutlich minimieren. Voraussetzung sei, dass vor allem die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß in den nächsten Jahrzehnten drastisch zurückfahren. „Ich bin heute optimistischer als vor einem Jahr, dass wir das schaffen können“, betonte Stern. Der innenpolitische Druck in den Industrieländern, etwas gegen den Klimawandel zu tun, habe deutlich zugenommen.


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Ohne eine entschlossene Klimaschutzpolitik drohe bis 2050 ein Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperaturen um fünf Grad. „Große Teile der Erde würden unbewohnbar, es käme zu dramatischen Flüchtlingsbewegungen“, warnte der Wissenschaftler. Die ökonomischen Folgen einer solchen Völkerwanderung seien im „Stern-Report“ nicht berücksichtigt. „Aus heutiger Sicht würde ich bei den Schätzungen noch größere Risiken und noch größere Schäden unterstellen“, erläuterte der Professor der London School of Economics und ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank. „Der Treibhauseffekt würde dazu führen, dass wir wesentlich häufiger extreme Wetterphänomene mit dramatischen Folgen erleben“, sagte Stern und verwies auf den Hurrican Katrina, der 2005 New Orleans verwüstet hatte. „Wir müssen schnell handeln, um die Wahrscheinlichkeit solcher Extremereignisse zu verringern.“ Die Kosten einer wirksamen Klimaschutzpolitik schätzt er auf ein Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung pro Jahr – damit seien sie deutlich geringer als die potenziellen Schäden. „Wenn wir nicht viel Zeit verschenken, bekommen wir eine sehr ordentliche Rendite“, so der Ökonom.

Vor allem die Industrienationen müssten ihren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch reduzieren. „Nötig ist, dass die reichen Länder ihren CO2-Ausstoß pro Einwohner bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 75 bis 80 Prozent reduzieren“, forderte Stern. Auf die Dritte Welt kämen durch den Klimawandel wahrscheinlich zusätzliche Kosten in Höhe von 80 Milliarden Dollar pro Jahr zu. Die westliche Welt sollte diese Belastungen durch eine höhere Entwicklungshilfe eindämmen. Die Entwicklungsländer sollten sich im Gegenzug verpflichten, ihren Ausstoß an Treibhausgasen nicht zu erhöhen und sich auf verbindliche Obergrenzen einlassen. Diese Quoten sollten durch ein globales System von Emissionsrechten ergänzt werden, die weltweit handelbar sind.


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