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HANDELSBLATT, Dienstag, 11. September 2007, 10:19 Uhr
Handelsblatt-Barclays-Indikator

Konjunkturexperten sehen „steigende Risiken“

Gemischte Aussichten für die deutsche Wirtschaft: Zwar sagt der Handelsblatt-Barclays-Indikator für das dritte Quartal einen deutlichen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes vorher. Darüber hinaus könnte das Wachstum aber schwächer ausfallen als erwartet.



Handelsblatt-Barclays-Indikator: Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Grafik: Handelsblatt
Bild vergrößernHandelsblatt-Barclays-Indikator: Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

doh/noh FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft dürfte im laufenden Quartal deutlich an Tempo zulegen. Das signalisiert der Handelsblatt-Barclays-Indikator, der für das dritte Quartal einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,7 Prozent vorhersagt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist dagegen deutlich pessimistischer und prognostiziert nur einen BIP-Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Vierteljahr war die größte Ökonomie der Euro-Zone nur um 0,3 Prozent gewachsen, was der Handelsblatt-Barclays-Indikator exakt vorhergesehen hatte. Das DIW hatte plus 0,5 Prozent vorausgesagt

Der Wert des Handelsblatt-Barclays-Indikators von 0,7 Prozent für das dritte Quartal ist gegenüber der ersten, vorläufigen Berechnung von Anfang August unverändert – obwohl für Juli zwischenzeitlich ein starker Rückprall der Industrieaufträge gemeldet wurde und die Produktion weniger stark zugelegt hat als mehrheitlich erwartet.

Barclays
Chart: Barclays
Analystenmeinung

Dass das Konjunktur-Barometer der britischen Investmentbank im dritten Quartal trotzdem so deutlich ansteigt, begründen die Barclays-Ökonomen vor allem mit Sondereffekten im zweiten Quartal, die nun wegfielen. Barclays Capital-Ökonom Nick Matthews rechnet im August und September „mit einem substanziellen Aufschwung der Industrie-Produktion“. Der industrielle Sektor werde um mehr als ein Prozent im dritten Quartal zulegen, nachdem er im zweiten Quartal nur um 0,2 Prozent im Vorquartalsvergleich gewachsen war. Der Anstieg der Industrieproduktion dürfte die schwachen Juli-Daten mehr als ausgleichen.

Zudem ergeben die Barclays-Berechnungen, dass der Einzelhandel nach einem Anstieg um 0,6 Prozent im zweiten Quartal auch im dritten Vierteljahr zulegen und sich gleichzeitig der Arbeitsmarkt verbessern wird, was den privaten Konsum antreiben dürfte.

Für das Gesamtjahr 2007 sagen die Bankökonomen basierend auf den Werten des Handelsblatt-Barclays-Indikators einen BIP-Anstieg von 2,6 Prozent vorher. Für die gesamte Euro-Zone rechnet die Investmentbank mit einem BIP-Zuwachs um 2,7 Prozent im Gesamtjahr und mit ebenfalls 0,7 Prozent im laufenden dritten Quartal.

Obwohl sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal in Deutschland und der Euro-Zone robust entwickeln werde, sehen die Konjunkturexperten von Barclays Capital „steigende Risiken“, dass das BIP im Schlussquartal und darüber hinaus angesichts der Wachstumsverlangsamung der US-Wirtschaft und verschärfter Kreditkonditionen schwächer als erwartet ausfallen könnte.


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