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23.01.2008 
Soros übt sich in Davos in Pessimismus:

„Die westliche Welt steht vor einer Rezession“

von Hermann-Josef Knipper

Der berühmte US-Investor George Soros, ein Stammbesucher des Manager-Treffens in den Schweizer Bergen, ist davon überzeugt, dass die Weltwirtschaft in der schlimmsten Krise seit 60 Jahren steckt. Auch die Verantwortlichen hat er bereits ausgemacht.

George Soros zeigt sich in Bezug auf die Konjunkturentwicklung pessimistisch. Foto: dpaLupe

George Soros zeigt sich in Bezug auf die Konjunkturentwicklung pessimistisch. Foto: dpa

DAVOS. Der "Super-Boom", der nach dem Ende den Zweiten Weltkriegs begann, gehe zu Ende, sagte Soros vor Journalisten in Davos. Die Ära der weltweiten Kreditexpansion, basierend auf dem US-Dollar als führender Weltreservewährung, sei vorbei. "Diese Finanzkrise ist etwas anderes als die Krisen der letzten Jahrzehnte, die immer nur Episoden des Kredit-Booms waren. Jetzt geht eine Ära zu Ende". Viele neue Finanzprodukte, mit denen sich die Banken die Finger verbrannt hätten, würden vom Markt verschwinden.

Der 77-jährige ungarischstämmige Finanzjongleur räumte zwar ein, dass er sich seiner angestammten Rolle als Schwarzmaler durchaus bewusst sei, dass er womöglich wieder einmal übertreibe: "Deswegen sage ich ja auch nicht voraus, dass die ganze Welt in eine Rezession gerät." Aber dass die westlichen Industrieländer vor einer Rezession stehen, ausgehend von den USA, hält der Multimilliardär für ausgemacht.

Die Verantwortung dafür trägt nach seiner Einschätzung die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Der längjährige Fed-Chef Alan Greenspan, der inzwischen von Ben Bernanke abgelöst wurde und als Berater der Deutschen Bank dient, hat nach Soros Einschätzung nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 zu lange die Zinsen zu niedrig gehalten.

Wenn die Fed früher eingegriffen hätte, wäre es nach seiner Einschätzung nicht so weit gekommen. Es sei zwar richtig, dass die Fed jetzt wieder mit drastischen Zinssenkungen gegensteuere und die Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte sicherstelle, aber das reiche nicht aus, um die globale Krise in den Griff zu bekommen. "Die Notenbanker operieren mit den falschen Werkzeugen".

George Soros empfiehlt eine möglichst schnelle und tiefgreifende Durchleuchtung der Bankbilanzen durch die Aufsichtsbehörden, um das ganze Ausmaß der Risiken offen zu legen. Noch könne keine Rede davon sein, dass alle Risiken der Finanzindustrie durch komplexe Verbriefungsstrukturen wirklich erfasst seien. Das harte Durchgreifen der Regulierer könne dazu führen, dass noch mehr Banken zahlungsunfähig würden, aber deren Pleite müsse dann durch Übernahme oder staatliche Unterstützung verhindert werden. Soros ist pessimistisch: "Ich sehe leider keine Anzeichen dafür, dass die Aufsichtsbehörden wirkame Gegenmaßnahmen gefunden haben und dann auch anwenden."

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