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HANDELSBLATT, Donnerstag, 20. September 2007, 11:10 Uhr
Kieler Konjunkturprognose

IfW sieht erhöhte Risiken für Weltwirtschaft


Ein schwaches Frühjahr hatte dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) schon die anfängliche Euphorie für die deutsche Konjunktur im laufenden Jahr geraubt. Nun haben die Ökonomen auch ihre Wachstumsprognose für die gesamte Weltwirtschaft gesenkt. Ihre Hauptsorge: der amerikanische Immobilienmarkt.



"Zu verkaufen"-Schilder vor einem Haus im US-Bundesstaat Vermont. Foto: ap
Bild vergrößern"Zu verkaufen"-Schilder vor einem Haus im US-Bundesstaat Vermont. Foto: ap

FRANKFURT. Die Risiken, dass die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession rutschen könnte, haben sich erhöht. Das schreibt das Kieler IfW in seiner Herbstprognose für die Weltwirtschaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die US-Wirtschaft im laufenden Quartal bereits in einer Rezession befindet, beziffern sie mit rund acht Prozent. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie innerhalb des nächsten Jahres in eine Rezession abrutscht, wird mit 17 Prozent eingeschätzt“, heißt es Das sei beinahe das gleiche Wahrscheinlichkeitsniveau, das bei der letzten Rezession beobachtet werden konnte. Insgesamt werde deutlich, dass im Zuge der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung, die in den Vereinigten Staaten seit Mitte vergangenen Jahres zu beobachten sei, und den Kreditmarktturbulenzen der vergangenen Monate, „die Wahrscheinlichkeit einer Rezession deutlich zugenommen hat“.

Die Kieler Ökonomen begründen ihre zunehmende Skepsis damit, dass die Belastung der privaten Haushalte durch Kreditzahlungsverpflichtungen aufgrund der gestrafften Geldpolitik bis weit in das kommende Jahr zunehmen werde. 2007 oder 2008 ende bei vielen Hypothekendarlehen eine meist für ein oder zwei Jahre vereinbarte Phase äußerst niedriger Zinsbelastung.

Auch die gesamte Weltwirtschaft wird mit gedrosseltem Tempo weiter wachsen, erwarten die Kieler. Derzeit befinde sie sich zwar „in einer Phase ausgesprochen rascher Expansion“. Im ersten Halbjahr habe die Weltproduktion in hohem Tempo zugenommen. Aber nun überschatteten die Probleme an den internationalen Finanzmärkten den Boom. Aber auch wenn in den vergangenen Jahren neue Finanzmarktinstrumente starke Verbreitung gefunden hätten und es keine Erfahrungen gebe, wie sich diese auswirken, sehen die IfW-Konjunkturexperten „gute Gründe, davon auszugehen, dass der Vertrauensverlust der Akteure im Finanzsektor die Entwicklung in der Realwirtschaft nicht massiv beeinträchtigen wird“. Dafür sprächen auch die stark verbesserten Rahmenbedingungen in den Schwellenländern.

In der gesamten Euro-Zone dürfte die Konjunktur weiter robust bleiben – vor allem dank des privaten Konsums. Auf Grund der momentanen Finanzmarktturbulenzen, der verlangsamten Weltkonjunktur und den Folgen einer strafferen Geldpolitik haben die Kieler aber ihre Prognose für den Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Währungsgebiet ohne Deutschland für das laufende Jahr leicht von 2,8 Prozent auf 2,5 Prozent gesenkt. 2008 dürfte das BIP um 2,1 Prozent zulegen – statt wie bislang prognostiziert um 2,4 Prozent.

Obwohl das Institut seine Prognosen gesenkt hat und davon ausgeht, dass die Wahrscheinlichkeit einer Stabilitätskrise im Bankensystem in den letzten Wochen gestiegen ist, schreiben sie relativierend: „Sie ist aber alles in allem immer noch gering, nicht zuletzt, weil die EZB deutlich gemacht hat, dass sie kurzfristigen Liquiditätsengpässen rasch und entschlossen entgegenzutreten gewillt ist.“


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