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09.04.2008 
Angst vor Hungersnot

Hoher Reispreis macht Asien nervös

von Oliver Müller

Dramatisch anziehende Reispreise alarmieren Verbraucher und Regierungen in ganz Asien. Dort ist Reis nicht nur ein Grundnahrungsmittel für drei Milliarden Menschen. Für die Masse der Armen bildet das Korn die tägliche Hauptspeise und oft die einzige Mahlzeit. Wegen des Preisanstiegs befürchten Experten Hungersnöte und sorgen sich um die politische Stabilität.

DELHI. Doch Reis kostet heute doppelt so viel wie vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn schoss der Preis um ein Drittel hoch. Am Dienstag kletterte er um 2,4 Prozent auf 21,50 Dollar je 100 Pfund – einen Rekord und ein Ende der Hausse ist nicht in Sicht. Nach Einschätzung der Weltbank werden die Preise für Nahrungsmittel noch in diesem und im nächsten Jahr weiter klettern, bevor sie danach voraussichtlich wieder leicht fallen werden.

Dieser Trend sei eine Bedrohung für arme Länder, biete aber auch Chancen, sagte Weltbankchef Robert Zoellick. Während die Preisentwicklung einerseits der Landwirtschaft zugute komme, würden Nahrungsmittel gerade für Arme immer weniger erschwinglich. Für Concepcion Calpe, Reis-Expertin bei der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) erhöhen die Preissteigerungen bei Reis das Risiko von Unterernährung. Außerdem könnten sie „ erhebliche politische Instabilität auslösen“.

In vielen Staaten Asiens verschlingt Nahrung noch annähernd die Hälfte der Haushaltseinkommen einer Durchschnittsfamilie. „Oft geben die Ärmsten sogar 60 bis 80 Prozent ihrer Einkünfte nur für Reis aus“, schätzt Achim Dobermann. Der Vize-Forschungschef des International Rice Research Institute (IRRI) im philippinischen Los Banos sieht daher auch in Asien das Risiko von Hunger-Krawallen, wie sie in den vergangenen Wochen bereits von Haiti bis Ägypten ausbrachen.

Bei den Regierungen schrillen bereits die Alarmglocken: „Wir werden jeden ins Gefängnis werfen, der dem Volk Reis stiehlt“, drohte die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo Händlern, die für subventionierten Reis Wucherpreise verlangen oder das Korn horten. Als größter Importeur der Welt ist ihr Land besonders betroffen. Aber auch Bangladesch leidet: Das Land ist auf Importe angewiesen, weil im Vorjahr ein Sturm seine halbe Reisernte vernichtet hat.

Doch die globalen Lagerbestände sind auf den niedrigsten Stand seit den 80er-Jahren gesunken. Und um die Preise im eigenen Land unter Kontrolle zu bringen, drosseln Groß-Exporteure wie Indien, Vietnam und China Ausfuhren oder stellen diese befristet ein. „Export-Restriktionen verschärfen die Knappheit auf dem internationalen Markt. Das macht die Preise extrem volatil“, sagt FAO-Analystin Calpe. Sie erklärt den jüngsten Preissprung mit Sondereffekten: Plötzlich starke Nachfrage bei sinkendem Angebot. Für 2008 erwartete Calpe gute Ernten: „Panik ist nicht angebracht.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Gründe für den Preisanstieg sind vielschichtig.

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2009 2008
Consensus Economics 1,3 2,2
IWF 1 2
OECD 1,1 1,9
EU-Kommission 1,5 1,8
Frühjahrsgutachten der Institute 1,4 1,8
Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9