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HANDELSBLATT, Sonntag, 4. Mai 2008, 15:59 Uhr
Angst vor Altersarmut

Mittelschicht schrumpft immer stärker

Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft immer stärker: Bis zum Jahr 2020 werden nach einer McKinsey-Studie nicht einmal 50 Prozent der Bevölkerung noch ein Einkommen auf Durchschnittsniveau haben.


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Das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren verzeichnen konnten, hat nicht gereicht, um bei den Bürgern anzukommen.
Bild vergrößernDas Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren verzeichnen konnten, hat nicht gereicht, um bei den Bürgern anzukommen.

HB FRANKFURT/M. Das wären zehn Millionen Menschen weniger als Anfang der 90er Jahre. Verantwortlich für diese Entwicklung sei ein zu geringes Wirtschaftswachstum, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf die Studie des Beratungsunternehmens.

„Das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren verzeichnen konnten, hat nicht gereicht, um bei den Bürgern anzukommen“, sagte Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey, dem Bericht zufolge. „Für die Menschen in der Mittelschicht bedeutet ein so geringes Wachstum einen Verlust.“ Zur Mittelschicht zählen die Experten jene Bürger, die 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2006 den Berechnungen von McKinsey zufolge bei rund 25 000 Euro im Jahr.

In der Studie Deutschland 2020 vergleichen die Experten die Folgen zweier Szenarien. Im ersten bleibt das Land auf dem bisher eingeschlagenen Wachstumspfad. Im zweiten wächst die Wirtschaft weitaus dynamischer. Sollte die Bundesrepublik den ersten Weg weiter verfolgen, könnten fast 30 Prozent der Bürger mit ihrem Einkommen aus der Mittelschicht herausfallen und damit den wirtschaftlichen Anschluss verlieren, berichtete das Blatt.

Anders sehe es aus, wenn die Bundesrepublik die Wende zu einer dynamischen Volkswirtschaft schaffte. In diesem Fall sei ein Wachstum von drei Prozent pro Jahr möglich. In einem solchen Szenario könnte sich den Berechnungen zufolge das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von 25.000 Euro im Jahr 2006 um über 40 Prozent auf rund 36.000 Euro erhöhen. McKinsey beruft sich laut „WamS“ auf Untersuchungen von elf Branchen, die mehr als 50 Prozent der deutschen Volkswirtschaft ausmachten.

Wachstumsraten von drei Prozent, wie sie die Bundesrepublik zuletzt Mitte der 80er Jahre erlebte, seien aus Sicht der McKinsey-Experten nicht unrealistisch. „Wir gehen davon aus, dass wir auf einen solchen Wachstumspfad mit drei Prozent pro Jahr kommen können, und das deutlich vor 2020“, sagte Mattern dem Blatt. „Die Weltwirtschaft wächst um rund vier Prozent, da müssten doch die drei Prozent eine Ambition sein.“

Nach bereits Anfang des Jahres veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sank der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2006 drastisch von 62 auf 54 Prozent, entsprechend einem Rückgang von 49 auf 44 Millionen Menschen. Zugleich vergrößerte sich zwischen 1996 und 2006 sowohl der Anteil der Reichen mit mehr als 200 Prozent des Durchschnittseinkommens von 6,4 auf 9,2 Prozent als auch der Anteil der Armen mit weniger als 50 Prozent des Durchschnitteinkommens von 7,3 auf 11,4 Prozent.

Fast drei Viertel (73 Prozent) der Deutschen glauben einer Umfrage zufolge außerdem, dass Altersarmut schon in wenigen Jahren eines der größten Probleme des Landes sein wird. Besonders groß ist diese Sorge bei Frauen und bei 50- bis 64-Jährigen, wie das Meinungsforschungsinstitut Emnid für „Bild am Sonntag“ feststellte. Die Umfrage wurde am 29. April unter 501 Bundesbürgern durchgeführt.


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