Allerdings gibt es auch die entgegen gesetzte Auffassung: „Die Banken tun sich schwerer, den Firmen Kredite für Investitionen zu geben. Das kann in jedem Fall Wachstum kosten“, warnte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, in der „Bild“-Zeitung. Er sprach sich für staatliche Eingriffe aus, sollte sich die Krise verschärfen: „Die Krise kann für alle gefährlich werden, weil Geld zunächst knapp wird und Vertrauen fehlt. Ich bin für engste Abstimmung und nötigenfalls für eine konzertierte Aktion der Regierungen.“
Zudem wird die deutsche Wirtschaft nicht nur von der Subprime-Krise herausgefordert – sondern auch von dem hohen Euro-Kurs. Nachdem sie 2007 noch stark von der dynamischen Entwicklung des Welthandels profitiert und um 8,5 Prozent zulegt hatte, erwarten die meisten Konjunkturbeobachter wie der BGA in diesem Jahr nur noch eine geringe Zunahme: Auch wenn die deutsche Wirtschaft über Investitionen und Handel sowie durch die Finanzmärkte noch immer stark mit der US-Wirtschaft verflochten sei, gebe es keinen Grund für Panik, sagt BGA-Chef Börner. „Starke Wachstumsregionen wie Russland und China sorgen dafür, dass der Außenhandel 2008 immer noch um fünf Prozent zugelegt und das Wachstum stützt.“
Schon 2007 war die US-Nachfrage deutlich zurückgegangen und hatte ebenso wie die Euro-Aufwertung die Ausfuhren in die USA gesenkt: Nominal nahmen sie laut Bundesbank um sechs Prozent ab. Dass die meisten Experten dennoch relativ gelassen auf den Dollar-Euro-Kurs blicken, liegt an der sinkenden Zahl der in Dollar abgerechneten Auslandsgeschäfte: Nur noch 13 Prozent der deutschen Exporte werden in US-Dollar fakturiert, 80 Prozent in Euro. Die in ausländischen Währungen fakturierenden deutschen Unternehmen nutzten zudem in starkem Maße die Möglichkeit, ihre Ausfuhrerlöse gegen Wechselkursrisiken abzusichern, argumentiert die Bundesbank.
Ob die deutsche Konjunktur die globalen Risiken weiter abwehren kann, hängt laut Börner stark von der Euro-Entwicklung ab: Wenn der US-Dollar bis zum vierten Quartal 2008 nicht deutlich unter 1,50 Euro falle, gehe er nur von 1,2 Prozent Wachstum in 2009 aus. „Wahrscheinlich wird aber sein, dass der Euro bis zum Schlussquartal auf 1,40 sinkt – und dann sind bis zu 1,5 Prozent drin.“
Weder Volkswirte noch Verbände rechnen mit einem Einbruch des Auslandsgeschäfts, wohl aber mit einem Rückgang. Daher messen sie dem privaten Konsum eine besonders große Bedeutung bei. Bislang geben die deutschen Konsumenten keinen Anlass zur Hoffnung, bremsten sie doch sogar am Jahresende 2007 die Wirtschaft. Diese Schwäche des Konsums mache Deutschland insgesamt empfindlicher, sagt Schumacher von Goldman Sachs. „Aber sie ist in gewisser Weise auch ein Vorteil: Diese Reserve ist noch nicht angezapft.“ Das werde sich bald ändern: Die real verfügbaren Einkommen steigen – „und wenn die Menschen mehr in der Tasche haben, geben sie auch mehr aus.“




