0 Bewertungen
01.04.2008 

Neben allen aktuell so beharrlich positiven Zahlen lieferte freilich vor wenigen Tagen das Forschungsinstitut IAB der Bundesagentur für Arbeit eine Aufstellung, die Skeptikern Nahrung gibt. Danach lag die auf breiter Basis erhobene Gesamtzahl der offenen Stellen in Deutschland im vierten Quartal 2007 mit 1,22 Millionen zwar noch immer auf sehr hohem Niveau. Sie war aber erstmals seit Beginn des Arbeitsmarkt-Aufschwungs wieder etwas niedriger als im Vergleichsquartal des Vorjahres.

Auch in der Großen Koalition sind sich nicht alle in ihrer Vorausschau so sicher. CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs etwa zeichnet bereits ein erheblich düstereres Bild. Eine restriktivere Kreditvergabe von Sparkassen und Banken an mittelständische Firmen und ein Euro-Kurs von deutlich über 1,50 Dollar könnten sehr wohl dazu führen, dass sich bis zur Wahl im Herbst 2009 „Schleifspuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ zeigten. Und parteitaktisch müsse vor allem die Union gewarnt sein, fügt er hinzu: Da die CDU/CSU in den Umfragen bisher besonders von der guten Arbeitsmarktlage profitiere, gefährde eine mögliche Trendumkehr auch gerade ihre Erfolgsaussichten bei der Wahl überproportional.

Hinter solchen Szenarien verbirgt sich auch ein Konflikt über den Kurs der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik: Denn bei trüber Vorausschau dürften außerplanmäßige Rentenerhöhungen, Mindestlöhne und neue Sozialausgaben erheblich schwieriger politisch durchzusetzen sein. Auch Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), warnt vor falschem Optimismus wegen einer womöglich nur verzögerten Reaktion des Arbeitsmarkts: „Die Bundesregierung sollte nicht den Fehler begehen, sich auf den guten Arbeitsmarktdaten auszuruhen“, warnt er. Tatsächlich laufe die Arbeitsmarktpolitik jedoch bereits in vielen Punkten „in die völlig falsche Richtung“.

„Statt den Anreiz zur Stellensuche zu steigern, wurde er gesenkt. Das erfüllt mich vor allem deshalb mit großer Sorge, weil sich die Weltwirtschaft derzeit labil entwickelt, es aber gerade in einer solchen Zeit auf mutige Reformen ankommt. In der globalen Abschwungphase wird Outsourcing für viele Unternehmen an Attraktivität gewinnen.“ Wenn die Bundesregierung viele Arbeitsplätze in Deutschland erhalten wolle, sollte sie die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen, rät Snower.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Deutschland als Europas Kraftzentrum

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

WACHSTUMSPROGNOSEN

Deutschlanddie Wachstumsprognosen für Euro-Zonedie Wachstumsprognosen für USAdie Wachstumsprognosen für Japan

Veränderung des realen BIP zum Vorjahr in %

WACHSTUMSPROGNOSEN DEUTSCHLAND

2009 2008
Consensus Economics 1,3 2,2
IWF 1 2
OECD 1,1 1,9
EU-Kommission 1,5 1,8
Frühjahrsgutachten der Institute 1,4 1,8
Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9