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02.05.2008 

Nach Meinung der Kritiker hat sich die Fed bereits jetzt viel zu weit vorgewagt und mit den massiven Geldspritzen die nächste Spekulationsblase auf den Rohstoffmärkten erzeugt. Die Preise für viele Grundnahrungsmittel und Rohöl sind geradezu explodiert. Will Bernanke seinen Ruf als Hüter der Währung retten, darf er die Inflationsgefahren nicht aus den Augen verlieren. "Angesichts der Preissteigerung sollte die Fed ihre Zinssenkungen nicht fortsetzen", sagt die ehemalige Notenbankerin Susan Bies. Auch innerhalb der Zentralbank wächst der Unmut. Die beiden Fed-Präsidenten Richard Fisher und Charles Plosser stimmten jetzt zum zweiten Mal hintereinander gegen den Kurs ihres Chairmans Bernanke.

Die widersprüchliche Konjunkturlage spiegelt sich auch in der offiziellen Erklärung der Notenbanker wider. Sie sprechen zwar nicht mehr ausdrücklich von einem Wachstumsrisiko, beschreiben jedoch die wirtschaftliche Situation in düsteren Farben. Sie warnen vor steigenden Rohstoffpreisen und räumen ein, dass sich die Inflationserwartungen erhöht haben. Doch bleiben sie bei ihrer Prognose, dass sich der Preisauftrieb abschwächen wird. Die Finanzmärkte stehen nach Meinung der Fed immer noch unter erheblichem Stress, andererseits hätten die Liquiditätshilfen die Risiken entschärft.

Was sich wie ein quälendes Sowohl-als-auch liest, ist in Wahrheit der Versuch, sich alle Türen offen zu halten. Bernanke möchte nicht noch einmal den Fehler des letzten Oktobers machen, als er die Finanzkrise frühzeitig für beendet erklärte, wenige Wochen später jedoch erneut die Geldschleusen öffnen musste.


Tabelle  Infografik: US-Konjunkturdaten – ein schwieriges Puzzle


Die Finanzkrise bleibt die große Unbekannte für die US-Wirtschaft. Zwar hat sich die Kreditklemme auf einzelnen Märkten spürbar gelockert. "Es gibt klare Anzeichen dafür, dass sich die Kreditbedingungen verbessern", sagte Adam Posen, stellvertretender Chef des Peterson Institute for International Economics in Washington. Auch hätten die großen Banken inzwischen Wege gefunden, ihre Kapitalbasis nach den schmerzlichen Verlusten wieder zu stärken. Posen sieht deshalb keinen Grund für eine weitere Lockerung in der Geldpolitik.

Auch an der Wall Street wächst die Zuversicht. Nahezu alle führenden Banker haben erklärt, das Schlimmste sei überstanden. Jetzt stimmt auch US-Finanzminister Henry Paulson in den Chor der Optimisten ein: "Wir sind näher am Ende als am Anfang der Probleme", sagte er.

Unabhängige Ökonomen sehen jedoch die Gefahr, dass der Finanzsektor durch eine Rezession von einem zweiten Schock erfasst wird. "Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden", sagt Nouriel Roubini von der Stern School of Business in New York. Große Geschäftsbanken wie Citigroup und Bank of America haben ihre Risikovorsorge für Kreditausfälle massiv erhöht. Sie befürchten, dass die vom Hauspreisverfall gebeutelten Verbraucher in der Rezession auch bei Konsumentenkrediten in Zahlungsrückstand geraten und so den Banken neue Verluste bescheren. Die Finanzkrise, über deren Ende sich die Banker bereits freuen, hätte sich also nur verlagert und käme wie ein Bumerang zurück.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Widersprüchliche Signale

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Veränderung des realen BIP zum Vorjahr in %

WACHSTUMSPROGNOSEN DEUTSCHLAND

2009 2008
Consensus Economics 1,3 2,2
IWF 1 2
OECD 1,1 1,9
EU-Kommission 1,5 1,8
Frühjahrsgutachten der Institute 1,4 1,8
Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9