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HANDELSBLATT, Montag, 7. April 2008, 11:05 Uhr
Leitzinsen

Inflationsrisiken nehmen zu


Eine Senkung der Leitzinsen im Euro-Raum kommt nach Ansicht des Expertengremiums EZB-Schattenrat angesichts der hartnäckig hohen Preissteigerung im Euro-Raum immer weniger in Frage; die Mehrheitsverhältnisse haben sich deutlich in Richtung „abwarten“ verschoben. Auch die Entwicklung auf dem europäischen Geldmarkt betrachten die Schattenräte mit Sorge.


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Eine Senkung des Leitzinses kommt aufgrund der hohen Inflation für den Euro-Raum momentan nicht in Frage. Foto: ap
Bild vergrößernEine Senkung des Leitzinses kommt aufgrund der hohen Inflation für den Euro-Raum momentan nicht in Frage. Foto: ap

DÜSSELDORF. "Die Risiken haben sich in den letzten Wochen klar in Richtung Inflation verschoben", fasste Agnès Bénassy-Quéré, Direktorin des französischen Wirtschaftsforschungsinstituts CEPII, auf der jüngsten Sitzung des EZB-Schattenrats die Mehrheitsmeinung zusammen. "Die Argumente für eine präventive Zinssenkung sind vorerst vom Tisch."

Zehn der 15 stimmberechtigten Mitglieder des Gremiums sprachen sich dafür aus, den Leitzins unverändert bei 4,0 Prozent zu lassen. Nur noch fünf Schattenräte votierten für eine Senkung um 25 Basispunkte. Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse wieder deutlich in Richtung "Abwarten" verschoben. Im März hatten noch sieben Mitglieder für eine Zinssenkung votiertet. Damals fehlte nur eine Stimme für ein klares Lockerungssignal. Die letzte Zinssenkung der EZB liegt über vier Jahre zurück.

In den vergangenen Monaten hatten die meisten Schattenräte damit gerechnet, dass die hohe Teuerung allmählich wieder nachlässt. Tatsächlich ist derzeit eher das Gegenteil der Fall: Im März kletterte die Inflation im Euro-Raum auf ein neues Rekordniveau. Im Jahresvergleich stiegen die Lebenshaltungskosten um 3,5 Prozent, nach 3,3 Prozent im Februar und 3,2 Prozent im Januar.

Angesichts überraschend guter Wirtschaftsdaten aus Europa zweifeln die Beobachter zunehmend daran, dass sich die Inflation im Jahresverlauf im Zuge einer schwächeren Konjunktur von alleine beruhigen werde. "Mit Blick auf die Inflation hat sich das Bild in letzter Zeit deutlich verschlechtert", sagte Willem Buiter, Ökonomie-Professor an der London School of Economics.

Im Schnitt rechnen die Schattenräte für 2008 mit einer Teuerung von 2,7 Prozent. Erst im kommenden Jahr dürfte sich der Inflationsdruck wieder verringern. Nach Ansicht vieler Schattenräte wächst die Gefahr, dass die Menschen und Unternehmen dauerhaft mit hoheren Preissteigerungsraten rechnen und so eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommen könnte. "Die Inflationserwartungen sind langsam ein Problem", sagte Julian Callow, Chefökonom Europa bei Barclays Capital.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Frage der Zeit.


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