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HANDELSBLATT, Donnerstag, 1. Mai 2008, 13:10 Uhr
Bank of England zur Finanzkrise

„Verluste geringer als erwartet“

Die Finanzkrise beutelt Banken weltweit. Selbst die bislang ungeschorene Deutsche Bank rutschte im Auftaktquartal 2008 in die Verlustzone. Doch ganz so dramatisch wie gedacht sind die Einschnitte für die Geldinstitute offenbar nicht. Das sagt zumindest der aktuelle Finanzstabilitätsbericht der Bank of England.



Die Verluste durch die Finanzkrise sind laut Bank of England geringer als erwartet. Bild: HB
Die Verluste durch die Finanzkrise sind laut Bank of England geringer als erwartet. Bild: HB

HB LONDON. Die Verluste der Banken infolge der weltweiten Kreditkrise sind nach Einschätzung der Bank of England (BoE) wahrscheinlich nicht so hoch wie die gegenwärtigen Marktpreise andeuten. Der Marktbewertungsansatz für die Bewertung illiquider Papiere könne das Ausmaß der Verluste „deutlich überhöhen“, teilte die britische Notenbank am Donnerstag in ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht mit.

Die Bank of England beziffert die Verluste aus mit Subprime-Hypotheken besicherten Wertpapieren in dem Bericht auf etwa 170 Mrd US-Dollar. Analysten hatten die weltweiten Verluste mit Subprime-Wertpapieren bislang auf rund 400 Mrd Dollar geschätzt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im März sogar prognostiziert, dass sich die Verluste der Finanzinstitute infolge der Krise auf über 945 Mrd Dollar belaufen könnten, davon allein 565 Mrd Dollar auf dem US-Hypothekenmarkt.

In den Marktpreisen seien hohe Abschläge für die anhaltenden Unsicherheiten enthalten, begründete die Notenbank ihre Annahme niedriger als erwarteter Verluste. Wenn diese der Verlustrechnung zugrunde gelegt würden, führe das zu der Auffassung, Banken hätten ihre Verluste nicht vollständig offengelegt.

Der Marktbewertungsansatz „schüre die Erwartung, dass weitere Verluste bevorstehen, die noch nicht aufgedeckt wurden“, erklärte die Bank of England. „Das führt zu unsicheren und pessimistischen Stimmung an den Finanzmärkten“, hieß es weiter. Außerdem trage dies zu einem anhaltenden Misstrauen zwischen den Banken bei. Der Vertrauensverlust werde somit selbsterfüllend. Die Banken selbst hätten das Problem noch verstärkt, indem sie nicht offengelegt hätten, welche Annahmen ihren bekannt gegebenen Wertberichtigungen zugrunde lägen.

Die zu hoch angesetzten Verluste führten auch dazu, dass die Auswirkungen auf die Realwirtschaft übertrieben dargestellt würden. „Es überzeichnet in einem noch größeren Ausmaß die möglichen Schäden für die Realwirtschaft“, teilte die Bank of England mit. Die Notenbank geht jedoch davon aus, dass das Vertrauen der Banken bald wieder hergestellt sein wird. „Obwohl es Abwärtsrisiken gibt, ist es am wahrscheinlichsten, dass das Vertrauen und der Risikoappetit in den kommenden Monaten wieder schrittweise zurückkehren“, hieß es in dem Finanzstabilitätsbericht.


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