Konjunktur + ÖkonomieKonjunktur
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
 HANDELSBLATT, Sonntag, 21. Oktober 2007, 10:00 Uhr
Arbeitsmarktreformen

Weber warnt vor Rückwärtsgang

Von Sven Afhüppe, Hans Nagel, Torsten Riecke

Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht in der geplanten Verlängerung des Arbeitslosengeldes I erhebliche Nachteile für das Wirtschaftswachstum Deutschlands. „Ein Rückdrehen der erfolgten Reformen wäre vollkommen kontraproduktiv. Jetzt den Rückwärtsgang einzulegen, trägt nicht dazu bei, die langfristigen Wachstumspersektiven in Deutschland zu verbessern“, sagte Weber im Gespräch mit dem Handelsblatt.


 Mehr zum Thema: Debatte über die Agenda 2010
Artikel

Forscher beklagen „Gerechtigkeitslüge“ (14.03. 11:03)

Artikel

Die Reform frisst ihre Kinder (14.03. 10:46)

Artikel

Steinmeier: „Vollbeschäftigung ist möglich“  (13.03. 15:53)

Zum Special ...



Bundesbank-Präsident Axel Weber warnt vor einer Abkehr vom Reformkurs. Foto: dpa
Bild vergrößernBundesbank-Präsident Axel Weber warnt vor einer Abkehr vom Reformkurs. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Weber betonte, dass Deutschland in letzter Zeit erkennbare Fortschritte bei der Stärkung des gesamtwirtschaftlichen Potenzialwachstums erzielt habe, die nicht durch Änderungen an den Arbeitsmarktreformen gefährdet werden sollten. „Die Chancen stehen gut, dass sich in Deutschland das Wachstumspotenzial in Richtung 1,75 Prozent von zuvor 1,5 Prozent oder knapp darunter erhöht hat. Das ist nicht zuletzt Verdienst der Arbeitsmarktreformen, die beginnen, Früchte zu tragen. Das zeigt für mich: Reformen brauchen einen langen Atem“, sagte Weber weiter.

Nach Schätzungen der Bundesbank wird das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Prozent betragen, für 2008 rechnet die Notenbank kalenderbereinigt mit knapp zwei Prozent. Unter den Ländern Europas liege Deutschland beim Wachstum im Mittelfeld und sei nicht mehr Schlußlicht, sagte Weber. Gleichzeitig forderte der Bundesbank-Präsident die Regierung auf, „das Wachstumspotenzial weiter in Richtung zwei Prozent und darüber hinaus“ zu stärken.

Mit Blick auf die durch Turbulenzen auf dem US-Hypothekenmarkt ausgelöste Finanzmarktkrise sieht Weber noch nicht alle Risiken überwunden. Zwar hätten sich die Verspannungen an den Finanzmärkten mittlerweile wieder etwas normalisiert. Aber es sei zu früh, um zu sagen, dass es eine völlige Normalisierung gibt. „Wir sehen nach wie vor Verspannungen, sowohl am Geldmarkt als auch bei Commercial Papers“, sagte Weber. So müsse man im Auge behalten, dass „neue schlechte Nachrichten aus dem Immobilienmarkt oder von den Banken immer wieder für neue Unsicherheiten und damit neue Verspannungen an den Märkten sorgen könnten.“

IKB
Chart: IKB
Analystenmeinung

Den Aufbau eines amerikanischen Superfonds zur Abfederung von Risiken der Finanzmarktkrise unterstützt der Bundesbank-Präsident. „Wir begrüßen jede Initiative des privaten Sektors, für mehr Transparenz zu sorgen. Im Falle des US-Vorschlags sind noch nicht alle Details bekannt. Solche Initiativen sind sinnvoll, wenn sie zu Transparenz beitragen“, sagte Weber. In der derzeitigen Finanzmarktsituation könne es nur zu einer Normalisierung kommen, wenn sehr nachvollziehbar für Analysten, Investoren und private Anleger Transparenz über die verschiedenen Produkte und ihre Strukturen hergestellt werde. Das gelte auch für die Auswirkungen der Verwerfungen an den Finanzmärkten auf die Bilanzen und Erträge der Banken.

Erneut schloß Bundesbank-Präsident Weber systembedingte Risiken in Deutschland als Ursache für die finanzielle Schieflage der IKB Mittelstandsbank und der Sachsen LB aus. „Die IKB und die Sachsen LB waren institutsspezifische Ereignisse, die nicht verallgemeinerbar sind für das deutsche Bankensystem insgesamt. In beiden Fällen gab es Probleme wegen eines unangemessenen Risikomanagements. Das deutsche Bankensystem insgesamt hat seine Robustheit und Risikotragfähigkeit in den Monaten August und September unter Beweis gestellt. Vor allem hat sich auch gezeigt, dass das deutsche System der Einlagensicherung vorbildlich ist. Damit waren Vorkommnisse wie in Großbritannien ausgeschlossen“, sagte Weber.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Basel II trägt zur Stabilisierung des Bankensystems bei"


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel US-Verbrauchervertrauen bricht ein(16.05. 16:11)
Artikel Aufatmen am US-Immobilienmarkt(16.05. 15:01)
Artikel Industrie schafft so viele Stellen wie seit 1995 nicht mehr(16.05. 12:42)
Artikel DIW verbreitet Konjunkturoptimismus(16.05. 11:40)
Artikel Japans Wirtschaft wächst überraschend stark(16.05. 10:59)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: SPD
HANDELSBLATT COMPACT:
SPD
Artikel

Clement hackt auf Beck herum

Artikel

Einmal Eintracht im Café Einstein

Artikel

Beck verliert weiter an Wählergunst

Artikel

SPD fordert sinkende Sozialabgaben

Artikel

Becks Bart ist das kleinste Problem

Artikel

Beck sackt auf neues Tief

Artikel

Clement ätzt gegen Berufspolitikertum

Quiz

„Becksperten“ gesucht

Debatte über die Agenda 2010
Artikel

Forscher beklagen „Gerechtigkeitslüge“

Artikel

Die Reform frisst ihre Kinder

Artikel

Steinmeier: „Vollbeschäftigung ist möglich“

Artikel

Agenda 2010: Viel diskutiertes Reformpaket

Bildergalerie

„Agenda 2010“ – von Hartz IV bis Praxisgebühr

Artikel

Eine peinliche Bescherung

Artikel

Althaus skizziert Kompromiss für ALG-I

Artikel

Union droht mit Scheitern der ALG I-Verlängerung

Artikel

CSU will Übergangsgelder streichen

Artikel

Merkel schleicht um den heißen Brei herum

Artikel

Zeitarbeitsbranche empört über SPD-Pläne

Artikel

SPD-Vorstand billigt Beck-Pläne

Artikel

Kommentar: Inszenierung der Beck-Festspiele

Exklusivmeldung

Weber warnt vor Rückwärtsgang

Artikel

SPD sortiert geräuschvoll Ideen für „soziales Deutschland“

Artikel

Union wankt beim Thema Arbeitslosengeld

Artikel

Dissonanzen im Gesangverein

Artikel

Vom alten Moses und dem Piano-Mann

Artikel

Wirtschaftsverbände attackieren Beck

Artikel

Schröders Comeback unerwünscht

Artikel

Wer was im Streit um das ALG-I will

Artikel

Schröder: Agenda 2010 „nicht die zehn Gebote“


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Update 2008

Ranking: Die besten deutschen Ökonmen im Ausland
Top-Fakultäten

Interaktive Grafik: Die besten Adressen für VWL.
Indikator

Wie sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal entwickelt.
VorschauTermine

Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche