Erfolg könne die Idee nur haben, wenn man die Zwänge des deutschen Universitätswesens über Bord wirft. Daher solle man erwägen, „nicht auf einem in Deutschland bereits existierenden Fachbereich aufzubauen, sondern dieser Fachbereich sollte völlig neu entstehen“. Die Alternative sei die „komplette Neustrukturierung existierender Universitäten“.
Um für Top-Forscher aus dem Ausland attraktiv zu sein, müsse der neue Fachbereich zudem ausreichend groß sein. Dies sei gegeben bei 25 Professoren auf Lebenszeit, zehn Assistenzprofessoren und 100 Doktoranden. „Wissenschaft wird nicht in Isolation betrieben. Exzellente Wissenschaftler möchten gerne an einem Fachbereich sein, wo auch andere exzellente Wissenschaftler sind.“
Als Professor solle nur in Frage kommen, wer mehrfach in den fünf besten Fachzeitschriften der Welt publiziert hat und längere Zeit an einem Top-20-Fachbereich im Ausland tätig war. Die Lehrverpflichtungen müssten geringer sein als an amerikanischen Top-Unis, das Gehalt müsse frei verhandelt werden. „Es muss möglich sein, das US-Gehalt um 25 Prozent zu überbieten“, schreibt Uhlig. Die Ressourcenausstattung der Wissenschafter solle von ihrer persönlichen Forschungsleistung abhängen, zudem solle eine international hochkarätig besetzte Wissenschaftlerkommission die „Exzellenz in Forschung und Lehre regelmäßig überprüfen“.
Unter diesen Bedingungen ließen sich etliche deutsche Spitzenökonomen, die im Ausland tätig sind, zur Rückkehr bewegen, so Uhlig. Das Handelsblatt-Ranking zeigt: Von den 100 forschungsstärksten deutschen Ökonomen unter 45 arbeitet jeder zweite im Ausland.
Das Uhlig-Papier entwirft nicht nur einen visionäres Zukunftskonzept, sondern ist zugleich eine schonungslose Abrechnung mit den Schwächen des Hochschulsystems. Die Universitäten seien zu klein, unterfinanziert und zu wenig der „Mission Wissenschaft“ verschrieben. Bürokratie und Managementaufgaben würden exzellente Forschung und Nachwuchsausbildung massiv behindern. Mit 210 Zeitstunden pro Jahr seien die Lehrverpflichtungen zu hoch – ein Forscher an einer ausländischen Forschungsuni müsse nur 80 Stunden pro Jahr unterrichten. Auch die Gehälter in Deutschland seien nicht konkurrenzfähig. Schon ein Assistenzprofessor verdiene in den USA mitunter mehr als ein deutscher Lehrstuhlinhaber.
Die Kosten des von ihm skizzierten Elite-Fachbereichs schätzt Uhlig auf 14 Mill. Euro pro Jahr. 6,25 Mill. davon würden für Gehälter, Pensionsansprüche und Forschungsmittel der Professoren verwendet, 5,3 Mill. für die Assistenz-Professoren und Doktoranden. Weitere zwei Mill. würden für Verwaltungskosten anfallen.
„14 Mill. Euro mögen als eine hohe Summe für einen volkswirtschaftlichen Fachbereich erscheinen“, so Uhlig. „Sie ist aber nicht hoch, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland jährlich mit 80 Mill. Euro gefördert werden.“
Als Standort für die neue Einrichtung schlägt er München oder Berlin vor. „Das Projekt wird scheitern, sollte man es auf die ,grüne Wiese’ hinsetzen.“ Nur einen Namensvorschlag macht Uhlig nicht. Wie wäre es mit „German School of Economics“?
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