Die Uni Zürich ist daher die mit Abstand beste deutschsprachige Adresse für VWL. Ihre Ökonomen haben seit 1997 gut 20 Prozent mehr in internationalen Journalen publiziert als ihre Kollegen aus Bonn und München. Auch pro Kopf betrachtet ist ein Professor in Zürich deutlich produktiver. Das Handelsblatt-Ranking analysiert die Publikationsleistung aller 1 200 im deutschsprachigen Raum tätigen Wissenschaftler. Methodisch orientiert sich die Studie an international etablierten Standards zur Evaluierung ökonomischer Forschung. Das Ranking der Fakultäten erstellte das Handelsblatt mit Unterstützung des Thurgauer Wirtschaftsinstituts (TWI) an der Universität Konstanz.
Für die deutsche VWL fällt das Ergebnis des Rankings zwiegespalten aus. Zum einen zeigen die in der vergangenen Woche veröffentlichten Ergebnisse für die Einzelforscher: Die Qualität der ökonomischen Forschung ist seit den frühen neunziger Jahren deutlich gestiegen; immer mehr Volkswirte arbeiten auf internationalem Niveau. Neben der einst alleinigen Nummer eins Bonn haben sich München und Mannheim fest als Zentren ökonomischer Spitzenforschung etabliert; Frankfurt und Köln holen in großen Schritten auf. Und weitere Fachbereiche haben Ambitionen: „Wir wollen in der VWL wie in der BWL dauerhaft zu den zehn forschungsstärksten deutschen Universitäten gehören“, sagt etwa Stefan Helber, Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Hannovers.
Trotz aller Fortschritte kommen die besten deutschen VWL-Fakultäten aber nicht an die internationalen Top-Adressen heran. „Studien, die auch nur einen einzigen deutschen VWL-Fachbereich unter den weltweit ersten 50 einsortieren, sind selten“, schreibt Harald Uhlig in einem Konzeptpapier zur Qualität der deutschen VWL. Nicht die mangelnde wissenschaftliche Qualität, sondern administrative, rechtliche und finanzielle Hürden sind der Hauptgrund dafür. Die ambitionierten Universitäten, deren beste Professoren sich heute auf Augenhöhe mit international führenden Kollegen befinden, sind Gefangene der Bürokratie und einer zerfaserten Hochschullandschaft mit vielen kleinen und mittelgroßen Fakultäten, aber keiner wirklich großen.
Organisatorisch und strukturell befinden sich die Universitäten noch in den siebziger Jahren. Verwaltungstätigkeiten binden die Energie ihres wissenschaftlichen Personals. Im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe des Fachs haben deutsche Fakultäten daher schlechte Karten – vom Gehalt über die Lehrverpflichtungen bis hin zur Administration ist ein Professorenjob in Deutschland unattraktiv. Das alles verschreckt ehrgeizige, forschende Nachwuchswissenschaftler. „Der Arbeitsmarkt für akademische Volkswirte ist heute globalisiert“, sagt der Kölner Ökonom Clemens Fuest.
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Personell tritt die deutsche Ökonomie dadurch zunehmend auf der Stelle. „Wir jagen uns die besten Forscher gegenseitig ab“, berichtet Hans Peter Grüner aus Mannheim. Ambitionierte Nachwuchsforscher – demnächst zum Bespiel Thomas Dohmen und Uwe Sunde aus Bonn – verabschieden sich ins Ausland, nur selten kommen Top-Ökonomen später zurück. „Entscheidend für die Entwicklung unserer gesamten Uni-Landschaft wird sein, ob es uns gelingt, international konkurrenzfähige Gehälter und Arbeitsbedingungen bieten zu können“, sagt Grüner.
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