Konjunktur + ÖkonomieBusiness-MonitorUmfragearchiv
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Montag, 10. März 2008, 19:19 Uhr
Handelsblatt Business-Monitor

Mindestlohn lässt Top-Manager kalt


Das Thema Mindestlohn belastet das Regierungsbündnis von Union und SPD – die meisten deutschen Top-Manager hingegen gehen ziemlich entspannt mit dem Thema um. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine exklusive Umfrage unter knapp 800 Managern von Unternehmen mit mindestens hundert Beschäftigten.



BERLIN. Danach wünschen sich zwar nur wenige Führungskräfte eine staatliche Lohnuntergrenze, nur fünf Prozent halten sie für „dringend erforderlich“. Die große Mehrheit der Befragten sieht aber nicht, dass ein Mindestlohn konkrete negative Folgen für ihr eigenes Unternehmen hätte.

So geben beispielsweise 59 Prozent der Befragten an, dass die Debatte über die Mindestlohn-Pläne keinerlei Bedeutung für ihre Personalplanung habe. Sie sehen sich dadurch „gar nicht“ in ihren Entscheidungen tangiert, zusätzliches Personal aufzubauen oder gegebenenfalls Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Andererseits: Immerhin 22 Prozent sehen sehr wohl, dass die laufende Debatte ihre Personalplanung zumindest „etwas“ oder sogar „stark“ beeinflusst. Im verarbeitenden Gewerbe liegt der Anteil mit 30 Prozent im Branchenvergleich am höchsten.

Als „ausschlaggebenden Grund“ für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland nennen jedoch gerade einmal 13 Prozent der Manager das Thema Mindestlohn. Weit wichtiger sind für sie bei Standortverlagerungen ein allgemein geringeres Lohnkostenniveau im Ausland (79 Prozent) und die Erschließung neuer Märkte (64 Prozent).

Tatsächlich haben in den vergangenen drei Jahren zwölf Prozent aller knapp 800 befragten Führungskräfte Stellen ins Ausland verlegt, insgesamt also knapp 100 Unternehmen. Sieben Prozent davon gaben die Debatte über Mindestlöhne als eines ihrer wichtigsten Motive an. Allerdings sind Produktionsverlagerungen nur für manche Branchen überhaupt eine denkbare Reaktion – ortsgebundene Dienstleister haben diese Option nicht.

In jedem Fall müssen sich die Führungskräfte darauf einstellen, dass die Mindestlohn-Debatte in der Koalition noch längere Zeit anhält. Vor allem die Wirtschaftspolitiker der Union sehen sich durch das jüngste Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts gegen den Post-Mindestlohn in ihrer kritischen Haltung bestätigt.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer, bewertete vor diesem Hintergrund auch die Gesetzespläne des Arbeitsministeriums für weitere Branchen-Mindestlöhne als „nicht genehmigungsfähig“. Bei der geplanten Änderung des Entsendegesetzes seien nun Vorkehrungen zu treffen, dass „Fehlentwicklungen“ wie beim Post-Mindestlohn „nicht noch einmal zugelassen werden“, ergänzte CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs.

Das Berliner Gericht hatte die zum 1. Januar 2008 erlassene Rechtsverordnung über den Post-Mindestlohn für unzulässig erklärt. Demnach dürfen keine Firmen an den Mindestlohn gebunden werden, für die schon ein anderer Tarifvertrag gilt. Im konkreten Fall hatte Verdi mit einem von der Deutschen Post AG dominierten Arbeitgeberverband einen Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro vereinbart, der per Verordnung auch allen anderen Firmen der Branche vorgeschrieben werden soll. Die Post-Wettbewerber mit Pin-Group und TNT Post an der Spitze hatten indes über ihren eigenen Arbeitgeberverband einen Tarifvertrag mit der neu gegründeten Gewerkschaft Neue Brief- und Zustelldienste geschlossen. Dieser sieht Stundenlöhne von 6,50 Euro im Osten und 7,50 Euro im Westen vor.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Branchenbezogener Mindestlohn ist der bessere Weg


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Exklusivmeldung Unternehmen rüsten sich gegen Währungsrisiken(21.04. 18:50)
Exklusivmeldung Top-Manager weiter investitionsbereit (15.04. 09:53)
Exklusivmeldung Vertriebskräfte verzweifelt gesucht(26.03. 08:20)
Artikel Firmen erstaunlich optimistisch(11.03. 09:22)
Artikel Mindestlohn lässt Top-Manager kalt(10.03. 19:19)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

WACHSTUMSPROGNOSEN
DeutschlandDeutschlanddie Wachstumsprognosen für Euro-Zonedie Wachstumsprognosen für USAdie Wachstumsprognosen für Japan
Veränderung des realen BIP zum Vorjahr in %
20092008
Consensus Economics1,81,7
EU-Kommission1,51,8
Frühjahrsgutachten der Institute1,41,8
IWF1,01,4
Bundesregierung1,21,7
OECD2,1
Sachverständigenrat1,9
ARBEITSMARKT DEUTSCHLAND
Apr 08Mär 08Feb 08
Arbeitslose in Mill.3,4143,5073,617
Arbeitslosenquote in %8,18,48,6
Soz.vers.pfl. Beschäftigte in Mill.27,151
Erwerbstätige in Mill.39,92539,789
» alle Daten
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Destatis, Bundesbank
STIMMUNG DEUTSCHLAND
Mai 08Apr 08Mär 08
Ifo-Klima102,4104,8
- Ifo-Erwartungen96,898,4
- Ifo-Lage108,4111,5
ZEW-Index-40,7-32,0
GfK-Konsumklima5,94,84,5
» alle Daten
Ifo-Klima 1)
FAKTEN
DeutschlandDeutschlanddie Fakten für Euro-Zonedie Fakten für USAdie Fakten für Japan
Mär 08Feb 08Jan 08Dez 07
Industrieproduktion, % zum Vormonat-0,50,21,41,5
Auftragseingang Gesamt, % zum Vormonat-0,6-0,6-0,7-1,2
Q1 2008Q4 2007Q3 2007Q2 2007
BIP-Wachstum, % zum Vorquartal1,50,30,70,2
2008200720062005
Haushaltssaldo in % des BIP0,10,0-1,6-3,4
» alle Daten
Haushaltssaldo 2008: Prognose der OECD
Quelle: Bundesbank, Destatis, Ifo, OECD
LEITZINSEN IN %
RegionZinssatzLetzte
Änderung
Euro-Zone4,00stabil
USA2,00gefallen
Großbritannien5,00gefallen
Japan0,50stabil
» Mehr zur Geldpolitik im ECB Shadow Council
Quelle: EZB, FRS, BoE, BoJ
AUSSENWIRTSCHAFT
ArtikelFinanzkrise belastet Indien-Geschäft
ArtikelImporte aus China fast verdreifacht
ArtikelMerkel lenkt den Blick auf Lateinamerika
WICHTIGE KONJUNKTUR-LINKS
WEB-LinkBundesagentur für Arbeit
WEB-LinkBundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI)
WEB-LinkDeutsche Bundesbank
WEB-LinkDeutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
WEB-LinkEuropäische Zentralbank (EZB)
WEB-LinkEurostat
WEB-LinkHamburgisches Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI)
WEB-LinkIfo-Institut für Wirtschaftsforschung
WEB-LinkInstitut der deutschen Wirtschaft (IW)
WEB-LinkInstitut für Weltwirtschaft (IfW)
WEB-LinkInstitut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
WEB-LinkInstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)
WEB-LinkRheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)
WEB-LinkSachverständigenrat
WEB-LinkStatistisches Bundesamt
WEB-LinkVerein für Socialpolitik
WEB-LinkZentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Update 2008

Ranking: Die besten deutschen Ökonmen im Ausland
Top-Fakultäten

Interaktive Grafik: Die besten Adressen für VWL.
Indikator

Wie sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal entwickelt.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick