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23.04.2007 
Studie: Wie viel lässt sich an der Börse wirklich verdienen?

Aktienrenditen sind niedriger als gedacht

von Olaf Storbeck

Die meisten Anleger verdienen an der Börse weniger Geld, als die Statistiken über die durchschnittlichen jährlichen Kurzssteigerungen vermuten lassen, zeigt eine neue Studie.

Das Deutsche Aktieninstitut rechnet es bis auf die Nachkommastelle genau vor: Wer Ende 1996 in den Deutschen Aktienindex investierte und genau zehn Jahre später wieder verkaufte, der hat pro Jahr im Schnitt eine Rendite von 8,6 Prozent erzielt. Auch für fast alle anderen Jahre seit 1948 gilt: Egal, welchen Zeitraum man betrachtet, fast immer konnte man mit Aktien im Jahresdurchschnitt betrachtet gutes Geld verdienen. Oft lag die so genannte „Buy and hold“-Rendite pro Jahr sogar bei über zehn Prozent.

So richtig und beeindruckend die Zahlen auch sind – in der Realität erzielen die wenigsten Anleger solche Erträge. Denn die hohen Aktienrenditen sind zum Teil nur statistische Fiktion.

Im wirklichen Leben verdienen die meisten Menschen an der Börse weniger als die theoretischen Durchschnittsrenditen. Das ist das ernüchternde Fazit einer Studie, die jetzt im renommierten „American Economic Review“ erschienen ist. Ilia Dichev, Ökonomie-Professor an der University of Michigan, zeigt darin: In den vergangenen Jahrzehnten haben US-Anleger zum Teil nur halb so viel verdient wie die durchschnittlichen statistischen Renditen.


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Auf den ersten Blick mag diese Diskrepanz paradox erscheinen. Tatsächlich aber gibt es eine einfache Erklärung dafür: Die Performance einer Aktie ist nicht der einzige Faktor, der dafür verantwortlich ist, wie viel ein Anleger mit ihr verdient. Entscheidend ist auch, zu welchem Zeitpunkt man wie viele Aktien kauft oder verkauft.

Das Phänomen lässt sich am besten mit einem Zahlenbeispiel erklären: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen Anfang 2005 bei einem Kurs von 10 Euro 100 Aktien eines Unternehmens. Bis Anfang 2006 steigt die Aktie auf 20 Euro. Weil es an der Börse so gut läuft, kaufen Sie weitere 100 Aktien. Noch ein Jahr später fällt der Kurs wieder auf 10 Euro.

Die theoretische Rendite, die ihre Aktie zwischen 2005 und 2007 erzielt hat, liegt in diesem Fall bei null. Ihr Depot aber ist mit 1000 Euro im Minus – sie haben für insgesamt 3000 Euro Aktien gekauft, die nur noch 2000 Euro wert sind. Das liegt daran, dass Sie während der Abwärtsbewegung doppelt so stark investiert waren wie während der Aufwärtsbewegung.

„Man muss zwischen der Performance einer Aktie und den tatsächlichen Erträge der Investoren unterscheiden“, betont Dichev. Nun könnte man meinen, das spielt keine große Rolle, weil man ja auch Glück haben kann, weil man gerade in der Hausse besonders viel Aktien im Depot hat oder gerade vor der Baisse verkauft hat, um sich ein Haus zu kaufen. Aber leider ist das nicht so, zeigt Dichev. Er entwickelt zunächst eine komplexe Berechnungsmethode, um den tatsächlichen Ertrag eines individuellen Anlegers unter Berücksichtigung der schwankenden Investitionssummen zu ermitteln.

In einem zweiten Schritt untersucht der Forscher, wie stark die Investoren in der Vergangenheit zu verschiedenen Zeitpunkten am Aktienmarkt investiert waren. Daraus leitet er ihre individuellen durchschnittlichen Renditen ab. Dazu verwendet er historische Daten über die Marktkapitalisierung verschiedener US-Börsen sowie Informationen über die monatlichen Zu- und Abflüsse von Kapital auf diesen Märkten.

Seine Ergebnisse haben es in sich: Berücksichtigt man die schwankende Marktkapitalisierung, so haben die Anleger an der Technologiebörse Nasdaq zwischen 1973 und 2002 pro Jahr nur eine Rendite von 4,3 Prozent erzielt – obwohl die ungewichteten Kurssteigerungen der dort notierten Aktien mit 9,6 Prozent pro Jahr mehr als doppelt so groß waren. Nicht ganz so groß war die Diskrepanz an der New York Stock Exchange: Zwischen 1926 und 2002 verdienten die Investoren dort 8,6 Prozent pro Jahr. Die ungewichtete Durchschnittsrendite lag bei 9,9 Prozent.

Der typische Investor steigt offenbar systematisch zur falschen Zeit an der Börse ein oder aus, lautet die Quintessenz des Ökonomen. Er kauft, nachdem es hohe Kursgewinne gegeben hat – und hält sich nach einer Baisse fern. Privatanleger, so die Quintessenz fahren mit passiven Investmentstrategien deutlich besser. Das spart nicht nur Transaktionsgebühren, sondern vermeidet auch das Risiko, zum falschen Zeitpunkt aktiv zu werden.

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