0 Bewertungen
10.09.2007 
Studie der Federal Reserve Bank

Notenbanken sitzen in der Falle

von Olaf Storbeck

Mit drastischen Zinssenkungen könnte die US-Notenbank verhindern, dass der Kollaps des Immobilienmarktes in einer Rezession mündet, zeigt eine Studie der Federal Reserve Bank. Allerdings würde sich die Geldpolitik damit in eine Glaubwürdigkeitsfalle manövrieren, warnen Wirtschaftswissenschaftler.

Fallende Immobilienpreise werden der Konjunktur gefährlich. Lupe

Fallende Immobilienpreise werden der Konjunktur gefährlich.

DÜSSELDORF. Das „R-Wort“ ist zurück: die Angst vor der Rezession. Die aktuelle Immobilien- und Finanzkrise könnte die US-Wirtschaft in eine Rezession schicken, fürchten immer mehr Volkswirte und Investoren. Kein Wunder, schließlich häufen sich die Warnsignale, dass die Krise auf die Realwirtschaft durchschlägt.

So ist die Zahl der Arbeitsplätze in den USA im August zum ersten Mal seit vier Jahren gesunken. Allein der drastische Rückgang bei der Anzahl von Eigenheimen, mit deren Bau jüngst begonnen wurde, kostete die amerikanische Wirtschaft nach Schätzungen der US-Notenbank seit Mitte 2006 einen vollen Prozentpunkt Wirtschaftswachstum.


»  Neue Trends in VWL und BWL – der Ökonomie-Newsletter bringt sie einmal pro Woche auf den neuesten Stand


Die Gefahr, die von einem kollabierenden Immobilienmarkt für die Gesamtwirtschaft ausgeht, ist tatsächlich nicht zu unterschätzen – das ist ein Fazit einer jetzt veröffentlichten Studie des US-Notenbankgouverneurs Frederic Mishkin.

Der renommierte Wissenschaftler hat mit den aufwendigen makroökonomischen Modellen der Federal Reserve simuliert, welche Folgen ein drastischer Preisverfall von US-Immobilien für die Gesamtwirtschaft hätte. Konkret spielte Mishkin durch, was passieren würde, wenn die US-Immobilienpreise zwischen 2007 und 2008 um 20 Prozent einbrechen. Im historischen Vergleich wäre das ein großer Preisverfall, betont Mishkin. Selbst während der zweiten Ölkrise Ende der Siebzigerjahre fielen die Immobilienpreise nur um 16 Prozent – und das über einen Zeitraum von vier Jahren.


» Download: Die Studie von Mishkin im Original


Die realwirtschaftlichen Folgen einer Immobilienkrise zeigen sich nicht sofort, sondern erst mit erheblicher Zeitverzögerung, stellt der Forscher fest. Ein entscheidender Faktor dafür, wie stark und wie schnell eine solche Krise auf die Konjunktur durchschlägt, ist das Verhalten der Konsumenten. Selbst wenn dafür Muster der Vergangenheit gelten und Konsumenten so agieren, wie es die Fed in ihrem Standardmodell unterstellt, wäre das Bruttoinlandsprodukt nach drei Jahren 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Vergleichsfall ohne Krise – ein Konjunkturrückschlag, den Mishkin als erheblich ansieht.

Wenn die US-Bürger doppelt so stark auf den Preisverfall reagieren würden, wie die Fed normalerweise annimmt, würden sich die Wachstumseinbußen gar auf 1,5 Prozentpunkte verdreifachen. Die Arbeitslosenquote, die derzeit bei 4,6 Prozent liegt, würde dann bis Ende 2009 um 0,6 Prozentpunkte nach oben schnellen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was die Notenbanken tun könnten

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Ich, das Genie

14.07.2008
Anzeige

weiterTop-Downloads

Hot Papers in VWL und BWL  Artikel in Merkliste

12.07.2008

Wie lassen sich Rohölpreise und Bärenmärkte an der Börse besser prognostizieren? Und kämpft die US-Notebank mit den richtigen Mitteln gegen die Finanzkrise? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ökonomische Forschungspapiere, die derzeit im Web besonders häufig herunterladen werden. Lesen Sie mehr über die "Hot Paper" in BWL und VWL. Artikel


weiterDas Grüner-Blog

Unerreichte Charttechnik Prosa 

21.07.2008Das Grüner-Blog

Mit gewohnt „bullischer Divergenz“ starten Deutschlands Charttechniker auf eine neues Jahreshoch zu. Blog


weiterKrämers Konjunktur-Kommentar

Ifo & Co eingebrochen 

24.07.2008Krämers Konjunktur-Kommentar

Im Juli sind sowohl das Ifo-Geschäftsklima (97,5 nach 101,2) als auch die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum förmlich eingebrochen. Ich senke meine ohnehin vorsichtige Wachstumsprognose für 2009. Blog


weiterHarald Uhlig - Makro und mehr

Danke, lrland! 

15.06.2008Harald Uhlig - Makro und mehr

Demokratie und Freiheit funktionieren noch in Europa!   Nachdem das Volk Europas das 400-Seiten starke Eurokraten-Monstrum, dass man tatsächlich mal “Vefassung für Europa” nannte, in Bausch und Bogen abgelehnt hatte, hatte die Politiker-Elite Europas eine clevere Idee. Blog