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 HANDELSBLATT, Montag, 21. April 2008, 09:37 Uhr
Experimentelle Wirtschaftsforschung

Vertrauen ist gut, Zufall ist besser


Wenn ein ungerechtes Ergebniss durch höhere Gewalt entsteht, akzeptieren wir das viel eher als wenn es durch Menschenhand zustande gekommen ist, zeigt eine neue Studie von Ökonomen. Lesen Sie, warum dieser Charakterzug dazu führt, dass wir Risiken lieber aus dem Weg gehen.


 Mehr zum Thema: Betrugsaversion
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Kostenloser Download der Studie zu "Vertrauen ist gut, Zufall ist besser" (21.04. 09:41)

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Stellen Sie sich vor, Sie haben bei Ebay ein Handy ersteigert und, ganz wie es sich gehört, dem Verkäufer umgehend das Geld überwiesen. Das Mobiltelefon aber kommt nie bei ihnen an. Würde es für Sie eine Rolle spielen, ob Sie der Verkäufer bewusst übers Ohr gehauen hat oder ob die Sendung durch höhere Gewalt auf dem Postweg verloren gegangen ist?

Wenn Sie so nüchtern und rational gestrickt sind wie ein „Homo oeconomicus“, dann wäre Ihnen der Unterschied egal. Relevant wäre nur das Endergebnis, und das ist in beiden Fällen gleich. Sie haben für etwas bezahlt, was sie nicht bekommen haben.


»  Neue Trends in VWL und BWL – der Ökonomie-Newsletter bringt sie einmal pro Woche auf den neuesten Stand


Menschen aus Fleisch und Blut aber ticken in aller Regel anders. Wer einem Betrüger zum Opfer gefallen ist, wird sich wohl über den gleichen Schaden stärker ärgern als jemand, der Opfer des Zufalls geworden ist. Die meisten von uns hegen eine große Abneigung dagegen, von anderen übers Ohr gehauen zu werden. Wer betrogen wird, der leidet nicht nur unter dem materiellen Schaden – sondern auch darunter, dass sich ein anderer unrechtmäßig bereichert hat.

Dieser Charakterzug hat erhebliche Folgen für das ökonomische Verhalten von Menschen, zeigt » eine Studie, die in der aktuellen Ausgabe des „American Economic Review“ erschienen ist. Mit Hilfe von Experimenten führt ein vierköpfiges Autorenteam vor Augen: Da wir nicht betrogen werden wollen, fällt unsere Bereitschaft, uns auf Wagnisse einzulassen, nicht besonders hoch aus.

Ein Forscherteam um die Harvard-Professoren Iris Bohnet und Richard Zeckhauser hat im Labor mit mehr als 800 Versuchspersonen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen Entscheidungen durchgespielt. Die Probanden standen vor der Wahl zwischen einem riskanten und einem eher unbedenklichen Beschluss, bei dem jedes Mal Geld im Spiel war und eine zweite Person, mit der man sich das Geld teilte.

Entschied sich ein Versuchsteilnehmer für die risikolose Variante, erhielten er und sein Partner bei diesem Experiment jeweils zehn Dollar. In der riskanten Variante gab es zwei mögliche Ausgänge: Wenn es gut lief, verdiente der Proband 15 Dollar, der Partner bekam den gleichen Betrag. Wenn er Pech hatte, bekam der Proband dagegen nur acht Dollar – die Gegenseite 22 Dollar.

Über Glück oder Pech entschied mal ein Zufallsgenerator, mal einer der Teilnehmer der Experimente. Oder anders ausgedrückt: In einigen Fällen war es höhere Gewalt, die darüber bestimmte, wie viel Geld die Probanden bekamen, in anderen musste einer der Teilnehmer darauf vertrauen, von dem anderen fair behandelt zu werden.

Alle 800 Versuchspersonen hatten die gleichen Wahlmöglichkeiten. Legten sie sich auf die risikoreichere Variante fest, waren die Wahrscheinlichkeiten, mit denen der für sie günstige oder der ungünstige Fall eintrat, identisch.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In welchen Ländern die Betrugsaversion besonders groß ist


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