Im Fachjargon heißt diese Methode „mikro-ökonometrisches Matching“ – nur sie kann verlässliche Aussagen über die Wirksamkeit eines Programms liefern. Denn um den Wirkungen eines Förderprogramms beurteilen zu können, muss man wissen: Wie hätten sich die Beschäftigungschancen der Teilnehmer entwickelt, wenn sie nicht mitgemacht hätten?
Nackte Zahlen darüber, wie viele Teilnehmer eines Förderprogramms danach einen Job gefunden haben, sagen wenig – schließlich finden auch viele der Nicht-Geförderten wieder eine Arbeit.
Kurzfristig haben nahezu alle Formen von aktiver Arbeitsmarktpolitik negative Auswirkungen auf die Beschäftigungschancen der Teilnehmer, stellen Wunsch und Lechner fest. Denn während die Teilnehmer noch in den staatlichen Programmen stecken, finden viele nicht Geförderte schon wieder einen regulären Job. Wissenschaftler sprechen vom „Lock-in“-Effekt. Je länger ein Förderprogramm dauert, desto größer ist dieser.
Arbeitslose, die aufgrund ihrer Qualifikation relativ gute Karten auf dem Arbeitsmarkt haben, sind vom Lock-in-Effekt besonders betroffen. Arbeitnehmer, die es auf dem Job-Markt besonders schwer haben leiden weniger darunter, weil aus ihrer Vergleichsgruppe nur wenige einen Job finden, während sie selbst in einer Maßnahme stecken. „Bei einigen der kürzeren Trainingsprogramme beobachten wir bei dieser Gruppe sogar positive Beschäftigungseffekte“, heißt es daher in der Studie.
Die langfristige Wirkung aber ist bei allen Arten von Förderprogrammen bescheiden. „Über einen Zeitraum von 30 Monaten nach dem Start der Maßnahmen sind die Beschäftigungseffekte entweder sehr klein oder gar nicht vorhanden.“ Lang dauernde Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme verschlechtern sogar die Arbeitsmarkt-Aussichten der Geförderten. „Deren Teilnehmer sind zwischen zwei und 13 Monaten länger arbeitslos als Nicht-Teilnehmer.“
Die längere Arbeitslosigkeit der Geförderten verursacht laut Studie Mehrkosten von 1500 bis 7000 Euro pro Teilnehmer. Berücksichtigt man die eigentlichen Kosten für die Förderprogramme, summieren sich die Kosten auf 2000 bis 20 000 Euro pro Kopf – eine beträchtliche Summe dafür, dass keine nennenswerte Wirkung nachzuweisen ist.
Die Schlussfolgerung für die Arbeitsmarktpolitik sind klar: Konzentration der Programme auf diejenigen mit großem und offensichtlichen Qualifizierungsbedarf und Verzicht auf lange dauernde Fortbildungs- und Umschulungsprogramme.
